01. September 2017
Warschau. Dank Gemeinschaftsdusche in der Bahn begrüßen wir die polnische Hauptstadt mit frischen Haaren. Warschau begrüßt uns im Gegenzug mit Sonne satt, angenehmem Wind und einem freundlichen Hauptbahnhof. 2010, als wir das erste Mal hier ankamen, war es Nacht, draußen stürmte und regnete es, drinnen herrschte Ostblock-Muff. Wir hatten also noch was gut. Ein Muss: Der Palac Kultury i Nauki, mitten in der Stadt, schon aus der Ferne sichtbar. Der Palast ist quasi die kleine, aussätzige...
31. August 2017
Zug. Unsere allerletzte Nachtfahrt. Einerseits sind wir traurig, denn etwas zum letzten Mal machen heißt, dass etwas zu Ende geht. Anderseits weinen wir den Nächten, die wir während unserer Reise in Zügen verbracht haben, kein Tränchen nach. Wir fahren von Moskau über Weißrussland nach Warschau. Passenderweise heißt unser Abfahrtsbahnhof Belaruskaja. Am Gleis die erste Überraschung: Wir entern einen nigelnagelneuen Schlafwagen. Funktional, geräumig, sauber. Von Siemens. Unsere...
28. August 2017
Moskau. Moskau. Werft die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, hohohohoho. Text und Melodie dieses Wahnsinnshits gehen uns nicht mehr aus dem Kopf, als wir in den Straßen der russischen Hauptstadt unterwegs sind. Vor allem die Stelle „fremd und geheimnisvoll, Türme aus purem Gold“ trifft es auf den Punkt. Und nicht nur die Türme. Die ganze Innenstadt ist auf Hochglanz poliert. Fuß- und Radwege, Fassaden, Flaneure, Fiffis. Alles und jeder strahlt Luxus aus. Trotzdem wird...
24. August 2017
Nizhny Novgorod. Wir fühlen uns wohl. Seit wir Europa verlassen haben, ist Nizhny die erste Stadt auf unserer Reise, in der wir uns vorstellen könnten, für eine Weile zu leben. An der Mündung der Oka in die Wolga gelegen, erhebt sich Nizhny auf den Hügeln drumherum. Wir haben einen herrlichen Blick übers Wasser und in die flache, waldige Weite dahinter. In der Stadt überall orthodoxe Kirchen mit goldenen Zwiebeltürmchen. Mal auf dem Präsentierteller, mal versteckt, alle frisch...
23. August 2017
Zug. Ein letztes Mal setzen wir uns über Nacht in die transsibirische Eisenbahn. Wir legen knapp 3.000 Kilometer zurück, passieren vier Zeitzonen und brauchen dafür - nur - 42,5 Stunden. Unsere längste Fahrt überhaupt. Als wir die Tickets buchen, stehen wir vor einer wichtigen Frage: Wollen wir in einem geteilten oder in einem privaten Abteil reisen? Die russischen Züge sind schmaler geschnitten als die chinesischen. Man hockt sich gewissermaßen auf der Pelle. An sich ist das kein...
20. August 2017
Novosibirsk. Wir sind müde. Eigentlich müssten wir in das pulsierende Nachtleben der sibirischen Hauptstadt eintauchen. Und Wodka aus Flaschen trinken. Aber wir sehnen uns nach unserem Sofa in Bochum. Dreieinhalb Monate Entdecken, Erkunden und Kennenlernen machen müde. Schon vor der Reise war uns klar, dass wir nicht dauerhaft von Stadt zu Stadt, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hechten wollen. Die Füße, der Kopf, die Seele brauchen hin und wieder eine Auszeit. An solchen Tagen...
17. August 2017
Tomsk. Tschüss, Paris Sibiriens. Hallo, Athen Sibiriens. Um hier her zu kommen, machen wir einen kleinen Abstecher nach Norden. Im Örtchen Taiga steigen wir aus der Transsib und bummeln mit der Elektrichka zwei Stunden durch den Wald. Hin und wieder halten wir an einer Lichtung mit drei, vier Holzhütten. Davor bunte Gärtchen mit meterhohen Sonnenblumen. Tomsk ist berühmt für seine Universitäten. Jeder Fünfte ist hier Student. Überall ist die Rede von akademischem Vibe in den Straßen....
14. August 2017
Baikalsee. Wir sind für drei Nächte auf der Insel Olkhon. Der Weg hier her ist etwas beschwerlich. Fünf Stunden in der Marshrutka, links borealer Nadelwald, rechts borealer Nadelwald. Schön anders als Nadelwald im Harz. Die Bäume sind dunkelgrün, grasgrün, moosgrün, buschig, schlank. Dann taucht der Baikalsee mit seinem tiefblauen, am Ufer türkisfarbenen Wasser auf. Wir setzen mit der Fähre über. Steife, angenehme Brise im Gesicht, Möwen kreischen, Sonne strahlt. Herrlich. Das Ende...
10. August 2017
Irkutsk. Das Paris Sibiriens, haben wir gehört. Frühmorgens, nach über 30 Stunden im Zug, reiten wir ein. Und sind verblüfft. Wir haben uns alles winziger, verträumter ausgemalt. Nein, Irkutsk ist eine Großstadt. Und um 8:00 Uhr gespenstisch leer. Hier und da springen uns prachtvolle Stuckfassaden, spitze Türmchen und die berühmten, mit filigranen Schnitzereien verzierten Blockhäuser ins Auge. Paris? Angesichts der Umstände, dass viele Gebäude dringend ein Facelifting bräuchten, und...
05. August 2017
Jurte. Das Leben der Nomaden ist einfach und entbehrungsreich. Wir lesen viel über beliebte Fettnäpfchen, empfinden die Begegnungen aber immer als unkompliziert und schön. Zur Begrüßung gibt es Milchtee (sehr wenig Teepulver, sehr wenig Milch, sehr viel Wasser), Airag (vergorene Stutenmilch) und einen Löffel Butter zum Snacken. Manchmal auch ein Stückchen getrockneten Joghurt - sieht aus wie eine Mischung aus Seife und Parmesan und schmeckt uns nicht. Wenn wir besonders willkommen sind,...

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