Dobce, dobce

Warschau. Dank Gemeinschaftsdusche in der Bahn begrüßen wir die polnische Hauptstadt mit frischen Haaren. Warschau begrüßt uns im Gegenzug mit Sonne satt, angenehmem Wind und einem freundlichen Hauptbahnhof. 2010, als wir das erste Mal hier ankamen, war es Nacht, draußen stürmte und regnete es, drinnen herrschte Ostblock-Muff. Wir hatten also noch was gut. 


Ein Muss: Der Palac Kultury i Nauki, mitten in der Stadt, schon aus der Ferne sichtbar. Der Palast ist quasi die kleine, aussätzige Cousine der stolzen Sieben Schwestern in Moskau. Wir fahren hoch in den 30. Stock. Warschau erscheint uns plötzlich winzig, so unmittelbar nach Moskau. Aber nicht weniger schön. Im Gegenteil, der Schnöselfaktor hat deutlich abgenommen, in der warmen Spätsommerluft liegen jugendliche Lebensfreude und Gelassenheit. 


Die liebevoll restaurierte Altstadt, das grüne Weichselufer, die quirligen Kneipenstraßen - das alles kennen wir von unserem ersten Besuch. Heute sogar noch ein bisschen moderner, vielfältiger und durchgestylter als vor sieben Jahren. Wir genießen die Freiheit, nichts Neues entdecken zu müssen. Ein letztes Mal auf unserer Reise lassen wir uns treiben, wandern von Café zu Café, lassen es uns gut gehen. Haben wir uns aber auch verdient, mensch. 


Und doch überrascht uns eine letzte Superlative. Unser Lofthotel Sen Prszczoly ist der lang ersehnte Beweis, dass sich hippes, zuweilen abgefahrenes Interieur und bodenständiges, zuvorkommendes Personal nicht ausschließen müssen. Wir schlafen in einem Raum mit dem irritierenden Namen Sadistic Dentist. Für Jenny mit ihrer Zahnarztphobie ein Therapieversuch. Gelingt. Zum Frühstück erwartet uns ein freundliches polnisches Mütterchen. Dobce, dobce, ihr herzliches Lachen macht gute Laune. Liebevoll dekoriert sie Tellerchen mit Käse, Salami, Tomaten, Gurken, Schnittlauch und brät uns Rührei. Ein würdiger Abschluss nach fast 50 Hotels, Hostels und anderen Übernachtungsorten.


Jetzt sitzen wir im Zug, auf dem Weg zum Highlight unserer Reise: Havelberger Pferdemarkt

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Kommentare: 1
  • #1

    Brigitta (Dienstag, 05 September 2017 13:26)

    Jetzt zum nahenden Ende eurer Traumreise muss ich es loswerden. Eure Berichte waren bardzo dobry! Man war nah dabei, konnte mit empfinden, miterleben (manchmal auch froh sein das man es nur vom Sofa aus tat) mit schmecken und genießen - DANKE, das war schön, interessant u. humorvoll! Alles Gute für die nächsten gemeinsamen Herausforderungen ihr "lieben Liebenden"!