Wieder auf Spur

Zug. Unsere allerletzte Nachtfahrt. Einerseits sind wir traurig, denn etwas zum letzten Mal machen heißt, dass etwas zu Ende geht. Anderseits weinen wir den Nächten, die wir während unserer Reise in Zügen verbracht haben, kein Tränchen nach. 


Wir fahren von Moskau über Weißrussland nach Warschau. Passenderweise heißt unser Abfahrtsbahnhof Belaruskaja. Am Gleis die erste Überraschung: Wir entern einen nigelnagelneuen Schlafwagen. Funktional, geräumig, sauber. Von Siemens. Unsere Abteilgenossinnen sind Mutti und Tochter. Die Gefahr Wodka trinkender Saschas ist also gebannt. Auf Toilette dann die zweite Überraschung: Es gibt eine Dusche. Zwar für den ganzen Wagon, aber der Wille zählt. 


Der Zug tuckert vor sich hin, wir trinken Tee, hören Musik. Wir bemerken nicht einmal, dass wir Russland verlassen und nach Weißrussland kommen. Keine Kontrolle, nichts. Sechs Stunden brausen wir durch die letzte Diktatur Europas und sehen davon relativ wenig. Es ist dunkel. Gegen Mitternacht, kurz nachdem wir eingeschlafen sind, erreichen wir Brest, die weißrussische Grenzstadt. Was wir schon von der chinesisch-mongolischen Grenze kennen, muss hier rückgängig gemacht werden: Wieder werden alle Wagons einzeln abgekoppelt, 1,8 Meter angehoben und auf die neue, alte Spurweite umgesetzt. Die Weißrussen sind dabei deutlich flotter als die Chinesen, nach zwei Stunden haben wir das Ganze hinter uns. 


Dann werden wir doch noch kontrolliert. Von Weißrussen mit schicken Mützen und Bärten. Die interessieren sich herzlich wenig für die ganzen Registrierungen, die wir - theoretisch - als ausländische Touristen in Russland von jedem Hotel kriegen und bei der Ausreise vorweisen müssen. Putin will wissen, wo wir uns rumtreiben. Klappt aber nur bedingt. Noch in Moskau müssen wir den hippen Hostelheinis erklären, dass wir diesen dämlichen Wisch an der Grenze brauchen. Umsonst, wir verlassen Moskau ohne. Umso besser, dass man sich in Weißrussland einen feuchten Kehricht um den Papiermüll kümmert. 


Die polnischen Grenzer wollen von uns nur wissen, ob wir Wodka einführen. In rauen Mengen, sieben Flaschen, um genau zu sein. Nächste Frage: Coka? Wir: Kokain? Ähm, niet. Achso: Skolka! Missverständnis, sie wollen wissen, wieviel Liter Wodka. Ok. Und dann sind wir zurück in der EU. Warschau begrüßt uns mit spätsommerlichen Traumwetter. Darauf einen Wodka. 


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