Snobskau

Moskau. Moskau. Werft die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land, hohohohoho. Text und Melodie dieses Wahnsinnshits gehen uns nicht mehr aus dem Kopf, als wir in den Straßen der russischen Hauptstadt unterwegs sind. Vor allem die Stelle „fremd und geheimnisvoll, Türme aus purem Gold“ trifft es auf den Punkt. Und nicht nur die Türme. Die ganze Innenstadt ist auf Hochglanz poliert. Fuß- und Radwege, Fassaden, Flaneure, Fiffis. Alles und jeder strahlt Luxus aus. Trotzdem wird überall am städtischen Botox-Gesicht herum operiert. Noch schöner, noch besser.


Außer unser Hostel. Das ist absichtlich roh und unverputzt. Wir schlafen auf der Schokoladeninsel, in Sichtweite des Kremls. Beste Lage. Früher wurde hier unter dem Namen Roter Oktober Süßes hergestellt, heute finden wir in den roten Backsteingebäuden Bars, Clubs, Restaurants, Ateliers, Designerläden. Und eben unser Hostel, das Fabrika. Wir sind fünf Tage hier. Die ultra hippen Leute um uns herum werden offenbar vor allem fürs Herumstehen, abgeklärt Glotzen und Rauchen bezahlt. Jede Nacht ist Samstagnacht. Der Bass bumst, die Weiber kreischen. Wir merken, dass wir in einem Monat 33 werden. 


Moskau lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Fast 60 Kilometer latschen wir kreuz und quer durch die Millionenstadt. We follow the Moskva, down to Gorki Park. Es ist tatsächlich recht windig. Wir wehen alle Sehenswürdigkeiten ab: Roter Platz, Kreml, Duma, Sperlingsberge. Laute, natürlich chinesische und italienische Reisegruppen verfolgen uns. Wir bestaunen Stalins Sieben Schwestern, luken in das Grab von Iwan dem Schrecklichen. Der aufgebahrte Lenin mag uns nicht empfangen. Vorm Mausoleum finden Reiter-und Militärspiele statt, no entry.


Zwischendurch ziehen tiefschwarze Wolken auf. Es schüttet wie aus Eimern. Wir bleiben unter Tage. Vier Stunden lang gondeln wir mit der Metro umher, jede der über 200 Stationen ist anders gestaltet. Optisch ist von Versailles bis Herne alles dabei, prächtige Hallen des Proletariats. Apropos: Zwei Halte außerhalb der Ringbahn sieht die Moskauer Schicki-Micki-Welt auf einmal ganz anders aus: Marzahn hoch zehn, löchrige Matschpisten. Schnell zurück!


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