Holy Nizhny

Nizhny Novgorod. Wir fühlen uns wohl. Seit wir Europa verlassen haben, ist Nizhny die erste Stadt auf unserer Reise, in der wir uns vorstellen könnten, für eine Weile zu leben. An der Mündung der Oka in die Wolga gelegen, erhebt sich Nizhny auf den Hügeln drumherum. Wir haben einen herrlichen Blick übers Wasser und in die flache, waldige Weite dahinter. 


In der Stadt überall orthodoxe Kirchen mit goldenen Zwiebeltürmchen. Mal auf dem Präsentierteller, mal versteckt, alle frisch getüncht. Wir machen uns auf die Jagd. Bei strahlendem Sonnenschein, bei verhangenem Himmel, bei Schäfchenwölkchen sehen die Kuppeln jedes Mal anders aus. Kaum betreten wir mit schickem Bein- und Kopfkleid die Kirche, fragen wir uns, was mit dem vielen Raum passiert ist. Von aussen riesig, fühlen wir uns drinnen eher wie im Weinkeller. Es ist eng, die Decken hängen tief, nur Kerzenlicht. Eine riesige vergoldete, mit Ikonen überhäufte Tür trennt den Raum. Dahinter geschehen Dinge, die uns nicht bekannt sind. 


Ein paar Mal platzen wir in eine Messe - oder eher in eine Lesung - hinein. Ein in schwarz gekleideter, langhaariger Mann liest ohne Punkt und Komma mit andächtiger Stimme etwas vor. Zwischendurch bekreuzigen sich die Gläubigen, hier nur eine Handvoll alter Mütterchen. Außerhalb der Messen sehen wir aber auch überraschend viele Familien und junge Leute in den Kirchen. 


Es gibt eine richtige Fußgängerzone. Mit Geschäften und vielfältiger Gastro, buntem Treiben, prächtiger Architektur aus über 800 Jahren Stadtgeschichte. Die kann man sich auch gut an der Elbchaussee, hoch über der Wolga, angucken: Prunkvolle Residenzen ehemaliger Kaufleute, die der Stadt zu ihrem Glanz verholfen haben. Wir suchen uns das beste am Platze aus und kaufen. Nicht. Wir müssen sparen, es wartet noch Moskau.

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