Tangas in der Taiga

Baikalsee. Wir sind für drei Nächte auf der Insel Olkhon. Der Weg hier her ist etwas beschwerlich. Fünf Stunden in der Marshrutka, links borealer Nadelwald, rechts borealer Nadelwald. Schön anders als Nadelwald im Harz. Die Bäume sind dunkelgrün, grasgrün, moosgrün, buschig, schlank. Dann taucht der Baikalsee mit seinem tiefblauen, am Ufer türkisfarbenen Wasser auf. Wir setzen mit der Fähre über. Steife, angenehme Brise im Gesicht, Möwen kreischen, Sonne strahlt. Herrlich. Das Ende des Sees ist nicht in Sicht. Am anderen Ufer warten noch mal 30 Kilometer Rumpelpiste auf uns, Jenny ist flau. 


Khoushir ist der einzige Ort auf der Insel und hält mit den Westernstädten in Kirgisistan und der Mongolei locker mit. Staubige Sandwege, Kühe hinter jeder Ecke, nachts dunkel wie im Bärenarsch. Alles ist aus Holz gemacht. Der Tourismus kommt langsam in die Gänge, zwei, drei hippe Bars gibt es schon. Ist alles noch ausbaufähig. 


Schamanen haben die felsige Insel zu einem ihrer spirituellen Orte erklärt. Das lockt viele mysteriöse Menschen an. Federn im Haar, weite Pumphosen und Tribals im Nacken. Wir amüsieren uns. Zum Sonnenuntergang trommelt sich ein braungebrannter, ausgemergelter Typ mit Jesusfrisur und langem Bart in Ekstase. Sein Blumenmädchen tanzt dazu mit sich selbst. Die asiatischen Touristen schauen irritiert. Kein Wunder, denn wir erfahren von Andreij, unserem Host, dass in China Fakebroschüren im Umlauf sein sollen, die Olkhon Island als Einkaufsparadies mit Luxusläden anpreisen. 


Für uns ist Olkhon vor allem Urlaub vom Urlaub. Kristallklares Wasser, feiner, weißer Sand, sonnengebräunte Haut. Wir meinen, wir sind am Mittelmeer, radeln, spazieren, planschen. Nur ohne salzigen Geschmack im Mund. Schon beachtlich, dass der mehr als 1.600 Meter tiefe See rund ein Fünftel des weltweiten Süßwasservorrats beinhaltet. Jenny ist derweil Omul-süchtig. Am Strand, frisch gefangen und geräuchert, isst er sich doppelt so gut.


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Kommentare: 2
  • #1

    Moni (Freitag, 18 August 2017 09:13)

    Wie jedes Mal freue ich mich über Eure neue Geschichte und darüber, dass es Euch richtig gut zu gehen scheint.
    Klar. Sieht dort ja auch so aus, als könnte es einem nur gut gehen.

  • #2

    Jule (Freitag, 18 August 2017 10:24)

    Ich kann Moni nur zustimmen. Ich freue mich jedesmal über eure Geschichten. Freue mich auf ein kleines Schmunzeln beim Lesen und sehe gern das es Euch gut geht.

    Ahoi!