Holzi, Holzi, Holz

Irkutsk. Das Paris Sibiriens, haben wir gehört. Frühmorgens, nach über 30 Stunden im Zug, reiten wir ein. Und sind verblüfft. Wir haben uns alles winziger, verträumter ausgemalt. Nein, Irkutsk ist eine Großstadt. Und um 8:00 Uhr gespenstisch leer. Hier und da springen uns prachtvolle Stuckfassaden, spitze Türmchen und die berühmten, mit filigranen Schnitzereien verzierten Blockhäuser ins Auge. Paris? Angesichts der Umstände, dass viele Gebäude dringend ein Facelifting bräuchten, und wir allein auf weiter Flur sind, erinnert uns Irkutsk eher an Clausthal-Zellerfeld. Und nimmt uns mit seinem morbiden Charme sofort gefangen.


Wir tigern durch die Straßen, schauen in die letzten Winkel, fotografieren viele, viele, viele Fenster mit bunten Holzlädchen, bekommen Hunger. Im Bermuda Dreieck der Stadt, dem Kvartal 130, reihen sich Bars an Restaurants. Das Viertel wurde auf Anordnung der Stadtverwaltung vollständig in traditioneller Holzbauweise errichtet. Um für Authentizität zu sorgen, hat man sogar Blockhäuser aus kleineren Dörfern hier her verpflanzt und restauriert. Es ist komisch, so frisch und herausgeputzt verlieren die Häuser ihre Wirkung auf uns. Hat was von Heidepark Soltau.


Das kulinarische Angebot im Inneren weiß uns allerdings sehr zu begeistern. Auf vielerlei Empfehlungen hin versuchen wir unser Glück im beliebten Rassolnik. Klassische, russische Küche in stylischem Ambiente. Auf einem Beamer laufen alte, sowjetische Strandfilme. Für uns gibt es unter anderem frisches Tartar vom Omul - einem entfernten Verwandten des Lachses, der nur im Baikalsee herumschwimmt. Dazu Pelmeni mit geräuchertem Schinken und natürlich Rassolnik - ein leicht säuerliches Süppchen aus Gewürzgurken. Köstlich.


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Kommentare: 1
  • #1

    Vanessa (Mittwoch, 16 August 2017 13:57)

    Ich liebe den Heidepark Soltau! Und wo liegt denn bitte Clausthal-Zellerfeld. Die Stadt ist mir irgendwie sympathisch. Pennen die alle so lange, dass um acht Uhr noch nix los ist?! Richtig so.