Nomadenlifestyle

Jurte. Das Leben der Nomaden ist einfach und entbehrungsreich. Wir lesen viel über beliebte Fettnäpfchen, empfinden die Begegnungen aber immer als unkompliziert und schön. Zur Begrüßung gibt es Milchtee (sehr wenig Teepulver, sehr wenig Milch, sehr viel Wasser), Airag (vergorene Stutenmilch) und einen Löffel Butter zum Snacken. Manchmal auch ein Stückchen getrockneten Joghurt - sieht aus wie eine Mischung aus Seife und Parmesan und schmeckt uns nicht. 


Wenn wir besonders willkommen sind, bietet man uns Schnupftabak an. Ein Ritual, das bestimmten Regeln folgt: Jurtenpapi gibt seine Schnupftabakflasche mit der rechten Hand an den Gast. Der schnupft und reicht das Fläschchen mit der rechten Hand wieder zurück. Dann kommt der Nächste an die Reihe. Der Tabak ist eher eine ganz fein gemahlene Gewürzmischung. Wir müssen nicht niesen. 


Das Innere der Jurte ist spannend. Und verglichen mit kirgisischen Jurten ganz anders. Wir dürfen unsere Schuhe anbehalten, alles ist mit PVC oder Dielen ausgelegt. In der Mitte steht ein Ofen, nachts selbst im August lebensnotwendig. Hier wird gekocht und in den späten Abendstunden die Hütte beheizt. Gegenüber der Eingangstür steht meistens ein Buddhaschrein, mal mehr, mal weniger pompös. Ansonsten wechseln sich Pritschen und kunstvoll verzierte Kommödchen ab - für die man bei Fischers Lagerhaus ein Vermögen ausgeben würde. Alles wirkt aufgeräumt. Immer wieder zaubern die Jurtenmamis aus irgendwelchen Ecken noch Dinge hervor, sei es Zucker oder ein Taschenmesser.


Strom kriegen die Nomaden meistens über eine kleine Solarzelle. Die muss für Licht und Fernseher der Marke Samsnug reichen. Fließendes Wasser gibt es nicht. Mit viel Glück ist ein Fluß oder ein See in der Nähe, ansonsten eben Regenwasser. Die Toilette ist eine Grube mit Dach. Oder ohne.


Manchmal gibt es neben der Hauptjurte, in der gewohnt und geschlafen wird, auch noch eine Kochjurte. Da trifft man dann schon mal Teile eines gerade geschlachteten Ziegenbocks, der zum Trocknen abhängt. Jenny kommt so in den Genuss frischer Blutwurst. Ein Stück reicht. 


Als Gastgeschenk bietet sich immer eine schöne Riesenflasche Bier (2,5 Liter) an. Da freut sich die ganze Familie. Allerdings tun die erwachsenen Kinder in Anwesenheit ihrer Eltern nur so, als würden sie trinken und reichen den vollen Becher an ihren Vater weiter. Würde uns nicht in den Sinn kommen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Moni (Dienstag, 08 August 2017 07:18)

    Mensch, das hört sich ja aufregend und spannend an... Bin ich ein bisschen neidisch? Hm, ich bin mir nicht sicher.