The Heart of Mongolia

Mongolei. Ohne Fahrer ist man in der Mongolei aufgeschmissen. Oder man bereitet sich bestens vor. Die Entfernungen sind riesig, die Straßen schlecht. 90 Prozent haben diese Bezeichnung nicht verdient und würden bei uns nicht mal als Buckelpiste durchgehen. Schilder gibt es kaum. Wir überlegen nicht lange und buchen eine neuntägige Tour bei Golden Gobi - samt Guide Victor und Fahrer Sanka. Beide sind in unserem Alter. Es verspricht, witzig zu werden. 


Victor steht auf Alex’ golden hair, trägt selbst eine interessante Frise und eine fesche Jeansweste. Und erklärt uns das Nomadenleben. Sanka fährt rasant, aber nicht wie ein Irrer. Dazu trällert er voller Inbrunst mongolische Schlagerhits. Victor singt nicht so gerne, macht uns aber den DJ. Die Lieder wiederholen sich, wir haben trotzdem Spaß. Als wir die Beginner und Seeed auflegen, feiert der ganze Van. 


Dabei rauschen wir durch die mongolische Weite. Sobald wir ein Tal hinter uns lassen und über eine Bergkuppe fahren, liegt das nächste Tal kilometerweit vor uns. Versprenkelt sieht man Kuh-, Schaf-, oder Yakherden. Pferde galoppieren umher. Bussarde, Falken und Adler noch und nöcher, die sich an unzähligen Zieseln satt fressen. Einmal sehen wir eine Geierfamilie, die sich auf einen Hund gestürzt hat. 


Nicht alles ist Steppe. Victor zeigt uns den höchsten Wasserfall der Mongolei. Wir picknicken an einem Canyon, der durch einen Vulkanausbruch entstanden sein soll. Wie, können wir uns nicht richtig erklären. Wir machen Halt in der Mini Gobi und erklimmen - mal wieder - Sanddünen. Wir fahren zu heißen Quellen, die uns ziemlich egal sind. Viel wichtiger ist uns die erste heiße Dusche seit vier Tagen, die mit dem Quellwasser gespeist wird. Wir wandeln auf Dschingis Khans Spuren und besichtigen die kläglichen Überreste seiner einstigen Hauptstadt. Zwei Tage lang durchwandern wir das fruchtbare Orkhon Valley. 


Bei real nomadic families, wie Victor gerne betont, kommen wir nachts unter. Die Familien leben nach wie vor als Nomaden, stellen im Sommer für Touris eine extra Übernachtungsjurte auf. Manchmal auch mehrere. So treffen wir zwei spanische Pärchen: Adriana und Guillem, Mireilla und Edu. Zusammen mit unseren Guides und Fahrern singen wir uns spanische, mongolische und deutsche Lieder vor. Großartig. Wir verabreden uns für den White Lake. 


Als wir dort ankommen, hängen dicke Regenwolken im Tal. So werden die letzten zwei Kilometer der Fahrt recht abenteuerlich. Victor, Alex und Jenny steigen aus dem Van, Sanka rast - nun doch wie ein Irrer - den Berg hoch. Alles ist so schlammig, die Reifen drehen durch. Nächster Versuch. Das Heck bricht aus, der Van schlingert hin und her. Aber Sanka weiß, was er tut. Ohne sein Manöver würden wir immer noch am Hang stehen. 


Der See liegt ruhig da, die Wolken spiegeln sich im Wasser. Am nächsten Tag reißt die Wolkendecke auf, wir klettern auf den Kratern der erloschenen Vulkane herum, bestaunen die Blümchen, Moose, Flechten und hoffen, dass uns kein Bär über den Weg läuft. Zurück am Ufer winkt uns eine Familie auf ihre Picknickdecke. Ehe wir uns vergucken, haben wir jeder einen Becher Bier in der Hand. Nach zwei Flaschen Wodka und zehn Litern Pils werden wir in die Familie aufgenommen. 


Nach neun Tagen und 1.600 Kilometern kriegen wir langsam ein Gefühl für die Entfernungen. Beim Blick auf die Karte sieht es so aus, als seien wir kaum aus Ulaanbaatar rausgekommen. Wir fangen an zu verstehen, was es heißt, in diesem Land zu leben. Hektik und Stress kennen die Mongolen nicht. Wieso auch?

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Kommentare: 1
  • #1

    Jessi (Montag, 07 August 2017 13:07)

    Das sieht nach einer großartigen Tour aus!