Underneath Pekings clothes

Peking. Ja, immer noch Peking. Viel interessanter als die überfüllten Sehenswürdigkeiten finden wir den Alltag der Städter. Und die Orte, an denen sie wohnen, arbeiten und sich amüsieren.


Peking ist berühmt für seine Hutongs, seine traditionellen Viertel. Verwinkelte, schmale Gassen, einstöckige, hutzelige Häuschen mit versteckten Innenhöfen, dicht an dicht. Wir wundern uns, dass es davon noch so viele gibt. Wahrscheinlich werden die gefräßigen Baulöwen nur deshalb zurückgehalten, weil die Hutongs bei den Touristen so beliebt sind.


Und es ist wirklich spannend. Plötzlich sind wir mittendrin im Leben der Bewohner. Die Nachbarschaft schnackt, raucht, spielt Domino, fegt, werkelt, führt das Schoßhündchen aus, feilscht um vorbeifahrendes Obst und Gemüse. Ältere Damen gerne im Schlafanzug, ältere Herren mit freiem Oberkörper. Wir beäugen sie, sie beäugen uns. Alle fünf Meter steigt uns ein anderer, nicht immer angenehmer Duft in die Nase. 


Krasser, aber genauso aufregender Gegensatz: Der Business-District mit seinen ultramodernen Hochhäusern aus Stahl und Glas. In der Dunkelheit leuchten die Tower um die Wette. Starbucks und KFC locken die Menschen von der Straße. Es ist vergleichsweise ruhig. Wir würden gerne auf eines der Gebäude rauf fahren, einige haben ein Restaurant im obersten Stock. In unserem Freizeitlook trauen wir uns aber nicht.


Im 798-Art District am Stadtrand fühlen wir uns besser aufgehoben. Fast wie zu Hause. Hier haben die Pekinger Industriekultur für sich entdeckt. Auf dem von DDR-Architekten entworfenen, ehemaligen Fabrikgelände tummeln sich heute Künstler, Galeristen, Touristen. Alles um Längen stylischer und lebendiger als auf Zeche Zollverein. Aber genauso teuer.


Nicht nur das gemeinsame Speisen ist dem Chinesen wichtig. Er singt auch gerne. Den Platzhirsch unter den Karaokebars, KTV, findet man an fast jeder Ecke. Für uns als musikalische Talente ein Muss. Drinnen sieht es aus wie im Edelpuff. Glitzernde Kronleuchter, unendlich viele Spiegel, nummerierte Séparées hinter gepolsterten Türen. Wir lassen uns einen Raum in der hintersten Ecke und zwei Mikros geben. An die Bedienung des Musikcomputers gewöhnen wir uns schnell. Erstaunlich, welche Schätze wir dort finden. Auch Shakira. Dennoch, zwei Stunden Trällern sollten reichen, denken wir. Nach fünf Stunden und 17 Bier wanken wir glücklich, heiser und müde ins Bett. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Gerlind (Dienstag, 25 Juli 2017 19:30)

    Und nach der Reise der Start in die Zweitkarriere: Singen! Zumindest die Hingabe stimmt, gesanglich beurteilen kann ich ja - leider oder Gottseidank? - nicht. Und das mit dem Bier? Gefühlt also alles wie immer bei euch. :-)
    Weiterhin viel Spannendes und Spaß für euch (und uns).

  • #2

    Jule (Samstag, 29 Juli 2017 09:05)

    Großartig!

    :)

  • #3

    Vanessa (Samstag, 29 Juli 2017 22:19)

    Sieht nach richtig viel Spaß aus! In so einer Kabine für sich alleine kann man sich ja auch so richtig schön gehen lassen. Ich hätte die Performance dann gerne nochmal in einer Lokalität hier wiederholt �