Das große Schwitzen

Gubeikou. Wie alle wissen, ist die Große Mauer lang. Sehr lang. Deshalb gibt es auch sehr viele Möglichkeiten, sie live zu erleben. Am einfachsten geht das am scenic spot Badaling. Schnell erreichbar, die Mauer künstlich restauriert, glatt wie ein Babypopo und mehrere Meter breit, Shops überall. Natürlich vollkommen overcrowded. Lame.


Im Hostel lesen wir: Gubeikou - climb the most rugged part of the Wall. No shopping. Haha, gebucht! Die Fahrt im kühlen Reisebus dauert zweieinhalb Stunden. Wir sind eine muntere Truppe aus mehreren Hostels. Holländer, Franzosen, Spanier, Australier, eine Koreanerin. Eine Stimme haben wir auch, zumindest für die Fahrt. Eine sehr nette, ohne Mikro. Mit Humor. Sie: I will wait for you in tower C. Remember me, because all Chinese look the same. Großartig!


Der Bus hält. Sofort geht es steil bergauf, auf ziemlich verfallenen Mauerresten aus der Han-Dynastie, bis wir die höhere Hauptmauer aus der Ming-Dynastie erreichen. Wir krakseln hoch und runter, hoch und runter, von Wachturm zu Wachturm. 22 Türme sind es am Ende. Acht Kilometer können sehr, sehr anstrengend sein.


Um uns herum dschungelt es. Farne, Sträucher, kleine Palmen. 35 Grad. Über allem hängt ein grauer, feucht warmer Dunst. Das einzige, was wir hören, sind die Grillen. Sie zirpen vier Mal lang, ein Mal kurz, verändern dabei die Tonhöhe. Es klingt, als ob der Hobbyhandwerker am Samstagmorgen in seiner Garage die Kreissäge anschmeißt.


Es ist steinig, rutschig, wild. Manchmal sogar etwas gefährlich. Mehrmals müssen wir mit Händen und Füßen klettern. Kennen wir ja schon. Eine vermeintlich sichere Umleitung wird von einer sechs Zentimeter großen Wespe mit neonorangefarbenen Kopf bewacht.


Außer der fiesen Wespe und einer schillernden Gottesanbeterin treffen wir in fast vier Stunden nur eine Handvoll Bauern und eine geschäftstüchtige Frau. Sie hat ernsthaft eiskaltes Bier auf einen der Wachtürme geschleppt und wartet dort auf die wenigen arglosen Gestalten, die picknicken wollen. Von zwanzig Leuten, denen sie hartnäckig eines anbieten könnte, sucht sie sich natürlich Alex aus. Wohl kein Zufall. Sie: 20 Yuan. Alex: Five, if it’s really cold, seven. Allgemeines Gelächter. Am Ende kriegen wir ein Bier und eine Cola für 25.


Nur eine Frage bleibt an diesen Tag offen: Wie viel Liter Schweiß können pro Stunde eigentlich aus einem einzigen Menschen herauskommen? Als wir schließlich hinabsteigen, fühlen sich unsere Klamotten an, als wären wir damit in einen Pool gefallen. Genau das wünschen wir uns jetzt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Moni (Freitag, 21 Juli 2017 06:41)

    Und ich sitze hier in meinem, ach, auch so aufregenden Büro und schmachte Eure Bilder an und lese gierig Eure Geschichten. Ok., das mit dem ewigen schwitzen, das bräuchte ich nicht dringend - aber ansonsten - es liest sich so toll...

  • #2

    Schnelisa (Samstag, 22 Juli 2017 07:01)

    Die Frau mit dem Bier schien ein ausgeprägten Sinn für Geschäfte zu haben, dass sie sich Alex ausgesucht hat ;-)

    Wahnsinn, was ihr da alles so erlebt!
    Ich fieber so richtig mit euch und freue mich immer neue Geschichten von euch zu hören!
    Genießt weiterhin eurer Abenteuer, dickes Küßchen Schnelisa

  • #3

    Matti (Samstag, 12 August 2017 10:32)

    6 cm wespe mit orangerotem kopf nennt man dann wohl eine hornisse ;)