Bahn Deluxe

Zug. Wir sind auf dem Weg von Xi’an nach Peking. Wieder müssen wir über 1.000 Kilometer zurücklegen. Wie schon bei den drei Nachtfahrten vorher. China ist so verdammt groß. 


Der moderne Nordbahnhof in Xi’an stellt alles bisher Gesehene in den Schatten, gleicht eher einem Flughafen. Beim Check-In werden in Windeseile unser Ticket und Gepäck kontrolliert, Boarding ist 20 Minuten vor Abfahrt. Ups, eineinhalb Stunden zu früh hier. Bleibt noch Zeit, zu shoppen oder zu essen. Wir gehen zu McDonalds. Magenentspannung. 


Diesmal fahren wir nicht über Nacht. Auch keine 15 Stunden. Wir brauchen gerade einmal viereinhalb. Mit 300 Sachen ballern wir durchs triste Land - vorbei an Maisfeldern, Maisfeldern, Maisfeldern, Strommasten, Kraftwerken, gesichtslosen Millionenstädten, deren Namen wir noch nie gehört haben. Alles verschwimmt unter einer dicken, grauen Smogschicht. 


Unsere weichen Sitze lassen sich fast in die Waagerechte bringen, gefühlte Beinfreiheit 120 Zentimeter. Die Geschwindigkeit merken wir kaum, der Zug gleitet ruhig dahin. Die Kotztüten, die an den Plätzen bereit liegen, brauchen wir nicht. Stattdessen gibt es Häägen-Dazs. 


Außerdem geht es hier überraschend zivilisiert zu. Zu verdanken haben wir das offenbar den zahlreichen Verhaltenserklärungen für den rüpeligen Chinesen: Rauchen kostet 2.000 Yuan. Wenn man den Sitz nach hinten klappt, solle man bitte den Hintermann informieren. Wenn Ihr Baby schreit, gehen Sie bitte in den Zugzwischenraum. Warum wir das alles verstehen? Man spricht hier perfektes Englisch. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0