Von Craftbeer und Soldaten

Xi’an. Wir sind am Ende der Seidenstraße angekommen. Von hier aus starteten seinerzeit die Treks mit den kostbaren Stoffen gen Europa. Immer mal wieder war Xi’an sogar Hauptstadt des chinesischen Kaiserreiches, der erste Kaiser hat hier sein Mausoleum. Samt Terrakotta-Armee. 


Von der historischen Bedeutung ist heute nicht mehr ganz so viel zu sehen. Eine 14 Kilometer lange, restaurierte Mauer umgibt die Innenstadt, in der sich das bunte Leben abspielt. Hotel reiht sich an Hotel, dazwischen mal ein Shoppingcenter. Gerne auch mit europäischen Luxusmarken. Außerhalb der Mauern stehen hohe Wohntürme und Businessblocks dicht gedrängt. 


Wir wandeln durch die Gassen, landen im quirligen muslimischen Viertel, essen uns an Schaschlik, geschmacksneutralem Tofusalat, einer seltsamen, grünen Nussfrucht und einer Art Börek mit Bohnenhackmischung (in sehr fettig) satt. Später radeln wir auf der Stadtmauer dem Sonnenuntergang entgegen - vorbei an Luxusbutzen, einfachsten Behausungen, kleinen Künstlervierteln, einem Buddhatempel mit goldenem Dach, Partymeilen. Dabei läuft uns der Schweiß den Rücken runter, es ist unfassbar heiß. Und smogig. 


In der Roof Top Bar unseres Hostels süppeln wir ein Panda Eyes Red Honey Ale - Auge in Auge mit den Spaziergängern auf der Mauer. Später auf der Partymeile stellen wir fest, dass die hippen Chinesen nicht nur auf europäisches Bier stehen, sondern auch eine eigene Craftbeer-Szene entwickelt haben. Das lassen sie sich auch bezahlen. Kostet ein ordinäres Tsingtao im Restaurant ungefähr acht Yuan (etwa ein Euro), latzen wir für ein Orange Oak im Beerstorm 55 Yuan (mehr als sieben Euro). 


Gut so, wir trinken nur eins und sind fit für unseren Ausflug am nächsten Tag. Es warten zweitausend Jahre alte Terrakotta-Soldaten auf uns. Und davon viele. Nur durch einen Zufall wurden die Statuen 1974 von Bauern entdeckt, die einen Brunnen graben wollten. Nach der Großen Mauer sind die Soldaten heute das Highlight für Touristen aus aller Welt. Wir sind ein wenig enttäuscht. Das Areal ist wieder einmal völlig überlaufen. Es gibt drei überdachte Ausgrabungsstätten. Die erste ist ein Staunen wert. Wir fühlen uns wie in einem Flugzeughangar: Auf einer Länge von 200 Metern stehen die Soldaten in Reih und Glied. Ein paar Pferdchen sind auch dabei. Die anderen beiden Hallen sind dunkel, stickig und aus unserer Sicht eher unspektakulär. Es braucht viel Vorstellungskraft und archäologisches Interesse, beides fehlt uns an diesem scenic spot.


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Kommentare: 1
  • #1

    Moni (Donnerstag, 20 Juli 2017 14:51)

    Mensch, ist das beeindruckend, was Ihr erlebt. Unglaublich.