Ente süßsauer

Überall in China. Kochen, das können sie. Ob Ente süßsauer, wissen wir noch nicht. Werden wir in Peking erfahren. Die chinesische Küche ist so vielseitig, wir haben erst einen Bruchteil davon probiert. 


Ein Klassiker, den Alex schon vor zehn Jahren lieben gelernt hat: Hot Pot. Schon beim Gedanken daran läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Das Grundprinzip: In einem großen Topf wird eine sehr, sehr scharfe Brühe serviert. Darin schwimmen frische Ingwer- und Chilistücke, Pfefferkörner und manchmal auch eigenartige Dinge, die wir nicht kennen. Auf einer in den Tisch eingelassenen Platte wird das Ganze zum Köcheln gebracht. Dazu bestellen wir Rohstoffe aus einer schier unendlichen Karte. Am liebsten hauchdünn geschnittenes Lamm und Rind, Nadelpilze, Chinakohl, Spinat, Tofu. Mal lose, mal am Spieß. Während alles in der kochenden Brühe gar wird, bedienen wir uns am Soßenbuffet. Wieder eine Riesenauswahl: Erdnusssoße, Knoblauch, Koriander, noch mehr Scharf, Sesamöl, Sojasauce und viele Dinge, die wir nicht identifizieren können. Dann heißt es fischen: Im Topf suchen wir nach garem Fleisch oder Gemüse, dippen es in unsere selbstgemixte Soße und sind unglaublich zufrieden. 


Die Hot Pot-Version ohne Selbermachen lernen wir auf dem Nachtmarkt in Dunhuang kennen. Wir trauen uns in ein kleines Büdchen, bedienen uns am gläsernen Kühlschrank und füllen eine große Schale mit Fleischbällchen, Tofu, Salat und Pilzen. Wir beobachten die Inhaberin dabei, wie sie in der offenen Küche daraus einen Hot Pot zaubert, Brühe reingießt, ordentlich Schärfe dazu gibt, das Ganze mit frischen Kräutern und Erdnüssen garniert. Es ist so lecker, dass wir zwei Tage später wieder kommen. Sie und ihr Mann sind sichtlich geschmeichelt.


In Xi’an setzen wir buchstäblich noch einen drauf: Wurden unsere bisherigen Pots mit Gas beheizt, genießen wir hier eine Version, die mit Kohle befeuert wird. Dafür wird ein kegelförmiger Aufsatz für die heiße Kohle auf den Topf gesetzt. Am Rand bleibt genügend Platz für eine feurige und eine milde Brühe. Geschmacklich wie immer traumhaft, hier kommt auch noch das Auge auf seine Kosten. 


In Zhangye glauben wir wieder in einem Hot Pot-Restaurant zu sein. Dass die Bedienung von Barbecue spricht, schieben wir auf ihre rudimentären Englischkenntnisse. Von wegen: Wir eröffnen die Grillsaison direkt an unserem Tisch. Wieder bestellen wir Fleisch, Salat (völlig unnötig), Tofu, Auberginen, Paprika, Zwiebeln (The Onion) und Pilze. Alles köstlich mariniert. Auf unserem Tischgrill, der mit Kohle beheizt wird, brutzelt alles vor sich hin, mit Stäbchen picken wir die fertigen Stücke herunter. Einziger Nachteil: Draußen sind es 40, neben dem Grill vermutlich 50 Grad. Wurscht, es ist saulecker. 


Viele Restaurants bebildern ihre Karte, das hilft uns enorm bei der Auswahl. So kommen wir in den Genuss eines warmen Chili-Bohnensalates, probieren in Knoblauch eingelegten Pak Choi, futtern einen pikanten Haufen aus Hähnchen, Sellerie und Erdnüssen (an die Insider: Pornohühnchen), atmen einen feurigen Mix aus grüner Paprika und Rindfleisch ein, schnabulieren ölige, mit Schweinefleisch gefüllte Aubergine. Und, und, und. 


In unseren Augen Seltsames landet dabei natürlich auch mal auf unseren Tellern. Ungewollt. Wir glauben, ein Nudelgericht zu bestellen. Als es auf dem Tisch steht, sind wir uns nicht mehr sicher. Wir kosten, befinden es für essbar, wollen nach der Hälfte trotzdem wissen, was es denn nun eigentlich ist. Zusammen mit der Kellnerin und mit Hilfe unseres Zeigebuches kommen wir zu einem erstaunlichen Ergebnis: Man hat uns Hirschnierenkäse serviert. Uns vergeht zumindest hier der Appetit. Aber nur bis morgen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Berni Butterfisch (Donnerstag, 20 Juli 2017 11:24)

    Culinary before geographic!
    Weiterhin guten Appetit!
    Viele Grüße aus DEL

  • #2

    Moni (Donnerstag, 20 Juli 2017 14:55)

    Und ich hab gerade solchen Hunger... schnief... das klingt alles sooooo lecker.