Mind the step

Dunhuang/Zhangye. Wir sind zurück auf der Seidenstraße und tuckeln gemütlich Richtung Xi'an. Unterwegs machen wir Halt in Dunhuang und Zhangye. Weit vor Marco Polo waren diese beiden Städte im Hexi-Korridor wichtige Stationen auf dem Handelsweg zwischen China und dem Westen, heute könnten sie nicht unterschiedlicher sein. 


Dunhuang ist wie geleckt - man sieht förmlich, dass diese Kleinstadt eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen in ganz China hat. Zehn Meter breite Fußwege, relativ wenig Verkehr, sehr schicke Ladenzeilen, viel Grün. Dunhuang zieht jeden Tag tausende Touristen aus dem eigenen Land an. Nicht wegen seiner Gelecktheit, sondern wegen der Sehenswürdigkeiten drumherum. 


Dagegen wirkt Zhangye wie der große, verpickelte Bruder. Hektisches Treiben, Gestank und Lärm sind zurück, die zusammengewürfelte Architektur ist zum Davonlaufen. Nur zwei Beispiele: der missglückte Versuch einer Sunset Boulevard-Kopie, der zentrale Pfauenplatz, auf dem es bei knapp 40 Grad im Schatten keinen Schatten gibt. 


An beiden Orten packt uns das scenic spot-Fieber. Südlich von Dunhuang türmen sich aus dem Nichts bis zu 1.700 Meter hohe Sanddünen auf. Mittendrin ein buddhistischer Tempel und eine mondsichelförmige Quelle. Sehr fotogen, vor allem im Abendlicht. Das denken sich auch gefühlt eine Million andere. Damit sich niemand langweilt, kann man Gleitschirm oder Helikopter fliegen, Rodeln, Kamel reiten, Quad fahren. Und neonorangene Moonboots leihen, um ja kein Sandkörnchen abzukriegen. Alles wird automatisch geknipst, die Bilder gibt es am Ausgang zu kaufen. Uns reicht Herumlaufen. 


Im Danxia Geopark südwestlich von Zhangye leuchten zackige Felsen in bunten Farben. Rot, Gelb, Grau, Braun und Grün. Wir kommen am späten Nachmittag mit unserer Hostel-Clique. Gut, denn ansonsten würden wir gebraten. Wir besteigen verschiedene Aussichtsplattformen, aus jeder Perspektive wirkt das Farbenspiel anders. Das Abendlicht tut sein Übriges. Auch diesen scenic spot teilen wir uns mit einer Menge anderer Touristen. Gleitschirm und Helikopter gibt es hier auch. On top: Heißluftballon.


Überall im Hexi-Korridor haben buddhistische Mönche vor mehr als 1.500 Jahren angefangen, Höhlen in die Sandsteinhänge zu schlagen, sie mit Wandmalereien und Statuen zu dekorieren und darin im Nirwana zu schweben. Die berühmtesten liegen 25 Kilometer von Dunhuang entfernt: die Mogao-Grotten. Weil sie 500 Jahre unter Wüstensand begraben waren, wurden sie nicht von europäischen Forschern entdeckt. Ein Glück, ihr Inhalt stünde sonst in deutschen, britischen oder russischen Museen. Nicht nur die Höhlen begeistern, auch das Drumherum haut uns um. Zur Einstimmung sehen wir einen 360 Grad-Film in einem nigelnagelneuen Kino. Wir kriegen eine top-englischsprachige Führung durch acht der mehr als 450 gut erhaltenen Grotten. Highlight: Der 35,5 Meter hohe Buddha, versteckt im Fels und getarnt durch eine neunstufige Pagode. Irre, neben dem wagengroßen Fuß zu stehen. Schade ist nur, dass man sich nicht frei auf dem Gelände bewegen und keine Fotos machen darf. Alles zum Schutze und Erhalt der Malereien und Statuen.


Wir nutzen Zhangye als Ausgangspunkt für einen Ausflug in das kleine Dorf Mati Si, wo es ebenfalls sehr berühmte Buddhahöhlen gibt. Sie liegen in einem idyllischen Tal. Überall flattern tibetische Gebetsfahnen im Wind. Anders als in Dunhuang gibt es keinen Film, geschweige denn eine englische Tour. Wir dürfen das Gelände selbst erkunden, quetschen uns durch enge Gänge auf steilen Stufen im Fels hinauf. Hin und wieder bringt ein verzierter Balkon Licht ins Dunkel. In den Nischen Buddhastatuen, die von Besuchern mit Obst und Geld beschenkt werden. Wir opfern jeweils einen Yuan an eine freundliche Buddhafrau und einen grimmigen Buddhamann. Obst haben wir leider nicht dabei. Fazit: Alles ist nicht so prächtig wie in Mogao, aber uns gefällt das Abenteuerliche. Wir fühlen uns wie Entdecker. 


Nach sechs scenic spots sind wir Fans des gesteuerten Tourismus. Die chinesischen Behörden scheinen ihr Volk gut zu kennen und weisen auf jede noch so kleine Gefahr hin. Mind the step steht auf jeder zweiten Stufe einer gewöhnlichen Treppe. Slip and fall down carefully! Ein weiterer, gut gemeinter Rat. Noch mehr Wert wird auf die Don’ts gelegt: Please don’t pick trees. Einverstanden. Do little, more civilization lesen wir auf der Toilette. Und niemals vom Weg abkommen. 

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Kommentare: 3
  • #1

    renzo qian (Donnerstag, 13 Juli 2017 10:23)

    hey Bubbha the king! i am renzo, do you still remember me? Mathias told me that you are in the great tour! thats amazing! china welcome you and enjoy your trip in china!

  • #2

    Bubba the King (Samstag, 15 Juli 2017 07:30)

    Hey Renzaaaaaan! Of course i remember! So nice to read your comments! Thank you! Unfortunately we don't have enough time to come to Shanghai. But the rest of China is great, too. Have you ever been to Xinjiang or Gansu? If not, you should!!!

  • #3

    Anna P. (Montag, 31 Juli 2017 20:34)

    "inconvenience caused by toilet decoration" - Was das genau sein könnte bleibt dann wohn unserer Fantasie überlassen! :D

    Wie immer, sehr witzig geschrieben!