Schlange stehen

Zug. Wir sitzen. Zwischenzeitlich haben wir nicht mehr daran geglaubt. Wir wollen von Ürümqi nach Dunhuang und entscheiden uns für den komfortablen Nachtzug. Wir reservieren unsere Tickets online. Es sind die letzten.


Genervt vom unterirdischen Service in unserem Hotelrestaurant beschließen wir, früh zum Bahnhof zu fahren. Als uns das Taxi um 16:30 Uhr rauslässt, gucken wir sparsam. Bei unserer Ankunft aus Kashgar sah die Station irgendwie anders aus. Wir finden einen jungen Typen, der Englisch spricht und erfahren, dass wir am Südbahnhof sind. Huch. Aber auch, dass unser Zug hier hält. Gut. Er ist zwar nirgends angeschlagen, wir entscheiden, der Auskunft trotzdem zu vertrauen. 


Zuerst Tickets abholen. Dafür müssen wir durch zwei Sicherheitschecks. Der erste, um auf das Bahnhofsgelände zu dürfen, der zweite, um ins Gebäude zu kommen. Beim ersten wird Jenny das Haarspray abgenommen, beim zweiten das Deo. Alex wehrt sich und darf sein Taschenmesser behalten. Im Gebäude ewig lange Schlangen. Wir reihen uns ein und verteidigen unsere Position. Warten. Gefühlt ewig. Um 17:15 Uhr halten wir unsere Tickets in den Händen.


Jetzt nur noch in die Wartehalle. Das ist in Ürümqi eine echte Herausforderung. Mit uns warten - ohne Übertreibung - mindestens 1.000 andere Reisende mit ihrem Pröttel vor sechs winzigen Eingängen zur Ticketkontrolle. Es wird gedrängelt, geschoben, geschubst. Wir geben unser Bestes, schaffen es in einer Stunde. Die kleinen Panikattacken, dass unser Zug doch nicht am Südbahnhof halten könnte, wir dies aber erst drinnen erfahren, schlucken wir herunter. 


Als wir um 18:20 Uhr stolz das Ticketkontrollhäuschen hinter uns lassen, wartet die nächste Schlange auf uns: Bevor wir ins Hauptgebäude dürfen, müssen natürlich noch mal alle Taschen gecheckt werden. Zum dritten Mal. Jetzt gibt es bei uns nichts mehr zu holen. 


Da jeder der ca. 250 Züge, die hier täglich abfahren, seinen eigenen Wartebereich hat, ist noch einmal Herumirren angesagt. Eine nette Uniformierte bemerkt unsere Not und führt uns in den First Class-Wartebereich. Um 18:44 Uhr (!!!) sitzen wir völlig fertig, verschwitzt und dreckig auf einer Ledercouch. Wir atmen durch.


Laut Ticket ist die Abfahrt um 19:03 Uhr. Um 19:45 Uhr steigen wir tatsächlich in den Zug. Bei einer köstlichen Instantnudelsuppe kommen wir wieder zu Kräften und freuen uns auf das beschauliche Dunhuang.

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Kommentare: 1
  • #1

    Moni (Freitag, 07 Juli 2017 18:08)

    Oh Manno, was Ihr so aushaltet... Ich würde durchdrehen... aber FÄ Ihr ja im Urlaub seid, seid Ihr wahrscheinlich die Ruhe selbst. Schmunzel...