Asterix und Obelix erobern Ürümqi

Ürümqi. Jetzt sind wir wirklich in China. Zwischen Kashgar und Ürümqi liegen 1.500 Kilometer. Und Welten. Ürümqi ist eine typische chinesische Großstadt, wenn auch eine sehr kleine mit nur dreieinhalb Millionen Einwohnern. Viele neue Wolkenkratzer, manche lieblos uniform, manche mit Hang zur überkandidelten Weltarchitektur - ein kleiner Eiffelturm, eine Empire-State-Spitze oder ein Ufo auf dem Dach. Die wenigen historischen Gebäude - ihr wisst schon, Pagoden, Buddhatempel und so - wirken etwas verloren und deshalb ähnlich authentisch wie das Interieur chinesischer Restaurants in Deutschland. Das Besondere an Ürümqi: Der eurasische Pol der Unzugänglichkeit ist nicht weit. Kleines Ratespiel für euch.


Klar, wir haben schon einiges gesehen, gehört, gerochen, gefühlt, geschmeckt. Aber die Chinesen fordern unsere interkulturellen Kompetenzen heraus. Sie sind einfach ganz anders als wir. Dem Gerotze und Geschmatze können wir nur wenig abgewinnen. Ebenso dem rücksichtslosen Gedrängle und dem schrillen Gekeife. Überall Menschenmassen. Und jeder scheint Angst zu haben, nicht der Erste zu sein. Kleinkinder mit aufgeschnittenem Hosenboden zeigen uns ihre blanken Hintern. Windeln sind teuer, wir sind verwirrt. 


Hin und wieder lächelt uns wer an. Das Interesse an unserem alienartigen Aussehen und unserer abendländischen Kultur beschränkt sich aber in 99,9 Prozent der Fälle auf ein gemeinsames Selfie. Oder zwei, oder drei. Alex ist mit seiner blonden, hünenhaften Gestalt besonders beliebt. Unsere Namen will man nicht wissen, Deutschland ist zum ersten Mal auf unserer Reise fast keinem ein Begriff. Selbst BMW oder Fußball helfen nicht mehr. Wir sind also doch nicht der Nabel der Welt. 


Was uns neben den - bereits erwähnten - kulinarischen Köstlichkeiten sehr gefällt, sind die Parks. Hier haben die Chinesen uns Deutschen wieder einmal etwas voraus. Alles gepflegt, mit Liebe zum Detail gestaltet, manchmal etwas kitschig. Es trifft sich Jung und Alt zum Karten- und Schachspiel, Tai Chi, Bootfahren, Schlafen. Dieses friedliche Miteinander ist in deutschen Grünanlagen nur selten zu finden. Entweder ist es zu hip, dann trauen sich die Senioren mit ihren Hündchen nicht mehr unter der Slackline hindurch, oder es ist zu wild, dann meckern die jungen Prenzlberg-Eltern über die grillenden Großfamilien. 


Wir beschließen, einen Ausflug zu machen und wollen uns Rat bei der staatlichen Reiseagentur CITS holen. Ausdrückliche Empfehlung des Lonely Planet. In unserem Hotel ist man mit der Frage nach einem Bus überfordert und kutschiert uns daher direkt zur Adresse. Zum Glück, alleine hätten wir sie niemals gefunden. Kein einziges Schild verrät, dass sich in diesem Hochhaus die Agentur versteckt. Unsere Ratlosigkeit steht uns ins Gesicht geschrieben. Ein Mann nimmt uns im Fahrstuhl mit in den 17. Stock und erklärt uns, dass CITS auf der 13. Etage sei. Da ist sie nicht. Wir versuchen Stock 14, hier wecken wir schlafende Im- und Exporteure. Nächster Versuch im 15. Stock. Ein CITS-Schild am Eingang lässt uns hoffen. Man spricht natürlich kein Englisch. Ein Anruf und die Sache ist klar: Man kann uns nicht helfen. Weil Alex noch ein Foto aus dem Fenster machen möchte, gehen wir in den 16. Stock. Tatatata: CITS. Wahnsinn. Einen Ausflug buchen wir nicht, hört sich alles nach Kaffeefahrt an. Wir fragen aber, ob wir Zugtickets in die Mongolei kaufen können. Das geht im Netz nämlich nicht so leicht. Ja, auf zehn. Alles klar, dann einmal runter. Doch kein Ticketoffice weit und breit. Zurück auf 16 erfahren wir, dass die Tickets im zwölften Stockwerk verkauft werden. Von wegen: Hier stehen alle Büros leer. Asterix und Obelix kriegen den Passierschein, wir kapitulieren.

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