Pass auf!

Tian Shan. Alter. Sind wir naiv, irre, bekloppt, lebensmüde. Wir sind mittlerweile in Karakol angekommen, mit 70.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Kirgisistans. Verrückt, sieht sie doch eher aus wie eine notdürftig zusammen gezimmerte Westernstadt. Wenig einladend. Egal, wir wollen - wie fast alle Touris, die sich hier her verirren - in die Berge des Tian Shan, die sich unmittelbar hinter Karakol traumhaft schön aufbauen. 


Wir machen eine dreitägige Wandertour. Sergei liefert uns zusammen mit unserem Guide Askat, unserem Koch Murat und unserem Träger - alle drei Mitte 20 - auf 1.800 Metern Höhe ab. Die Tour beginnt gemächlich durch das Ak-Suu-Tal. Bei uns kommt Alpenstimmung auf, überall grasen Kühe und Pferde, in der Mitte der tosende Fluss, rechts und links schneebedeckte Gipfel. Zwischendurch erinnert uns eine einsame Jurte daran, dass wir in Kirgisistan sind. 


Nach 17 Kilometern schlagen wir unser Nachtlager an einer Quelle im Nirgendwo auf. Die nächste Siedlung ist etwa 20 Kilometer entfernt. Während wir am Lagerfeuer sitzen, hastet ein Wolf durchs halbdunkle Unterholz. Alex rutscht das Herz in die Hose, sagt aus Rücksicht auf Jenny aber nichts. Gut so, denn zwei Minuten später taucht ein Schäfer mit seinem Pferd auf - daneben sein wolfsartiger Hund. Ansonsten verläuft die Nacht ohne tierische Zwischenfälle. 


Der zweite Tag ist was für Alpinisten, das haben wir unterschätzt. Wir müssen vom Ak-Suu-Tal den 3.780 Meter hohen Ortok-Pass überqueren, um ins “Tal der Bären“ zu kommen. Jenny hält gut mit, Alex schnaubt und flucht in 50 Metern Entfernung. Zehn Meter vor Passhöhe müssen wir eine steile Schneewand hinauf. Askat geht voran und schlägt Fußspuren in den Schnee, doch Jenny rutscht ab und hängt wie versteinert in der Wand. Askat zieht, Alex schiebt, gemeinsam schaffen wir es. Stolz lassen wir uns auf einer Blumenwiese nieder und schlagen uns zur Belohnung den Wanst voll. Um uns herum wuseln und pfeifen Murmeltiere. 


Unser Etappenziel - das Altyn Arashan Ressort - erreichen wir nach siebeneinhalb Stunden saft- und kraftlos. Ressort heißt hier windschiefe Bretterbude mit Plumsklos. Wir fühlen uns trotzdem wohl: Für die müden Knochen gibt es heiße Quellen, für die Seele kaltes Bier. 


Tag drei gibt uns den Rest. Wir sind kaputt, schlapp und froh, als wir nach dreieinhalb Stunden Wandern Sergei in der Ferne entdecken.

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Kommentare: 4
  • #1

    Gerlind (Dienstag, 20 Juni 2017 19:17)

    "Sind wir naiv, irre, bekloppt, lebensmüde" - war das 'ne Frage? Ich glaub, die Kombi macht's!!! Aber die Bilder - einfach traumhaft. Und - es gibt wieder Bier- na dann prost!
    Wart ihr allein mit den dreien unterwegs oder noch mehr "Touris"? (Wobei Touri hier definitiv nicht die richtige Bezeichnung ist).

  • #2

    Petra (Dienstag, 20 Juni 2017 22:30)

    Tolle Bilder! Die Standards für Ressorts sind wohl von Land zu Land unterschiedlich....

  • #3

    Moni (Mittwoch, 21 Juni 2017 11:28)

    Irre, bekloppt, lebensmüde - jaaaaa. Aber sooooo schön. Es sieht so geil aus dort, wo Ihr seid.

  • #4

    Toto (Mittwoch, 05 Juli 2017 19:45)

    MEGA Bilder!!! �