Geiz ist geil

Kasachstan-Kirgisistan. Unsere zehnte Grenze. Inzwischen sind wir Profis und mit allen Wassern gewaschen. Brauchen wir hier gar nicht - kein Grenzübergang außerhalb der EU ist so schön unkompliziert. Aber der Reihe nach. 


Almaty ist eine Reise wert. Hier gibt es Almette im Fässchen, Burger King und H&M. In unserem AirBnb-Appartement haben wir einen Logenplatz mit Blick auf das Nebelgebirge und das Einkaufszentrum Mega Alma-Ata. Thiergalerie und Limbecker Platz können dagegen einpacken. Im Aquarium schwimmen Minihaie und Moränen, ein London-Doppeldeckerbus fährt Kinder durch die Gänge (und uns fast über den Haufen), vor den Toren dreht sich ein Riesenrad. Wir hätten es nicht gedacht, aber wir finden es geil. 


Ansonsten ist es ein wenig wie in Tashkent, Shymkent und - wie wir jetzt wissen - in Bishkek. Alles ist schachbrettartig angelegt, die Straßen von großen, alten Bäumen gesäumt. Man kann sich wunderbar verlaufen. Sehenswürdigkeiten sind rar und überwiegend von fragwürdiger Schönheit. Die Gastro-Szene ist deutlich vielfältiger als in den berühmten Oasenstädten Usbekistans. Cupcakes, Burger, Latte, frische Limonade, Blaubeerkuchen. Europa ist plötzlich wieder ganz nah. 


Um nach Bishkek zu kommen, müssen wir 230 Kilometer auf der A2 fahren. Wir nehmen uns fest vor, in einen Minibus zu steigen, um nicht dauernd wie Schnösel durch die Welt zu reisen. Keine Chance. Als Blondschöpfe werden wir noch vor dem Busbahnhof abgefangen, von einer Gruppe Männer umringt, die ungefragt um jeden Tenge mit uns feilschen. Dieses Spiel spielen wir übrigens seit dem Iran. 


Also wieder ein privates Taxi? Nein, dieses Mal schaffen wir es immerhin, in ein Shared Taxi einzusteigen. Liegt aber nur daran, weil wir die geforderten 11.000 Tenge (30 Euro) nicht mehr haben und nur 8.000 (22 Euro) bieten können. Im Taxi wartend, wollen wir die Entscheidung schon fast bereuen - aus Angst vor zwei fetten, schwitzenden Männern auf der Rückbank. Wir haben Glück: Nach zehn Minuten steigen eine Mutter und ihre zehnjährige Tochter zu uns ein. Jenny muss nicht in die Mitte, Alex thront auf dem Beifahrersitz. 


Die drei Stunden bis zur Grenze vergehen wie im Flug, immer entlang der beeindruckenden Bergkette. Haken: Das Mädchen schläft ein und kuschelt lieber mit Jenny als mit seiner Mutter. Angekommen, macht unser Fahrer keine Anstalten mit uns auf die andere Seite zu kommen. Ups, das war wohl ein Kommunikationsproblem. Egal, Bishkek ist nur noch 20 Autominuten entfernt. 


Die Kontrollen durchlaufen wir in rekordverdächtigen zehn Minuten. Weder für Kasachstan noch für Kirgisistan braucht man als Deutscher ein Visum - das hilft sicherlich. Das gilt für unser Gepäck genauso: Niemand hat auch nur das geringste Interesse daran. Diesmal hätten wir ohne Probleme eine Tasche rüberschleusen können. 


Auf der anderen Seite heften wir uns an ein Pärchen aus Malaysia und stellen bei der Taxisuche fest, dass er deutlich verhandlungsstärker und geiziger ist als wir. Am Ende lassen wir uns unterwegs rausschmeißen, zahlen gar nichts und wissen nicht, was aus den beiden geworden ist. 


Wichtiges Etappenziel Bishkek ist erreicht.

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