Im Frühtau zu Berge

Chimgan. Eigentlich wollen wir uns nur ein wenig Warmwandern für Kirgisistan. Jetzt sind wir heiß. Etwa eineinhalb Autostunden von Tashkent entfernt, liegt das Chimgan-Gebirge, in der Mitte ein türkisblauer Stausee, drumherum schneebedeckte Drei- bis Viertausender, die die Grenze zu Kasachstan und Kirgisistan bilden. Wanderkarten, geschweige denn ausgeschilderte Wege, gibt es nicht. Da man im Grenzgebiet außerdem spezielle Genehmigungen braucht, ist schnell klar, dass wir uns für unseren Wandertag den Luxus eines Fahrers und Guides leisten (115 Euro all inkl.) Unsere Wahl fällt auf Advantour, die uns nicht enttäuschen. 


Unser Ziel, das Gulkam-Tal (Tal der vielen Blumen), das in einer steilen Schlucht mündet, macht seinem Namen alle Ehre: Bäume, Büsche, Kräuter, Blumen, Schmetterlinge, Käfer, Raupen in allen Farben, Formen und Größen. Wir wollen einmal durch. Unser Fahrer erwartet uns in sechs Stunden auf der anderen Seite. 


Unser Guide Vasili kennt die Gegend wie seine Westentasche. Er zeigt uns gefährliche und nützliche Pflanzen. Unseren "Weg" würde der sauerländische Gebirgsverein sicher nicht so nennen. Querfeldein heisst hier auch Querfeldein. Durch brennendes, stechendes Gestrüpp, entlang steiler, rutschiger Felshänge und durch eiskaltes Gletscherwasser. Mehrmals brauchen wir beide Hände. Vasili hat alles im Griff. An seinen Wanderstock geklammert, waten wir in der Schlucht neunmal durch den reißenden Gebirgsbach. Das Wasser steht uns fast im Schritt. 


Wir picknicken auf einer Anhöhe im Schatten eines uns unbekannten, aber laut Vasili 200 Jahre alten Nadelbaums. Aus seinem winzigen Rucksack zaubert er frisches Brot, Wurst, Käse, Küchlein, Kirschen, Aprikosen, Saft. Auf seinem Handy läuft ein Video, in dem er Akkordeon spielt. Er ist Musik- und Englischlehrer. 


Unterwegs begegnen wir nur ein paar Schafhirten und dem Einsiedler Alex, der Ruhe vor seiner Frau sucht, sieben Tage im Wald schläft und dabei Antworten auf berühmte Gedichte sucht. Wir bekommen eine Kostprobe. 


Klar, die Messners sind wir nicht, haben aber schon den ein oder anderen Berg und Bach bezwungen. Das hier allerdings bringt uns an unsere körperlichen und mentalen Grenzen. Und macht uns sehr, sehr glücklich. Noch im Auto schlafen wir selig ein. 


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Kommentare: 3
  • #1

    Toto (Montag, 12 Juni 2017 07:18)

    Sehr schöne Bilder!

  • #2

    Paddy (Freitag, 16 Juni 2017 08:15)

    Sehr coole Tour! Die Bilder machen Lust auf Urlaub...

    Nur Alexs Hipster-Beutel wirkt ein wenig deplatziert ;-)

  • #3

    Robett (Donnerstag, 22 Juni 2017 10:18)

    Was Paddy sagt :-p