Good Cop, Bad Cop

Tashkent. Die Hauptstadt Usbekistans überrascht uns. Wir haben nicht mit so einer modernen, lebendigen und fast schon hippen Großstadt gerechnet. Klar, das sozialistische Erbe ist nicht zu übersehen, aber an vielen Ecken finden wir freshe Salatbars, Burgerläden und Cafés. Damit kennen wir uns aus und fühlen uns fast wie zu Hause. Das traditionelle Usbekistan bleibt dabei erhalten: Im Restaurant Sal-sal serviert man uns landestypische Gerichte modern interpretiert, Shashlik zu einem Türmchen schick auf dem Teller angerichtet. Ein Gedicht. 


Wir spazieren durch die Straßen und bemerken, dass der ehemalige Präsident Karimov, der Usbekistan bis zu seinem Tod im vergangenen Herbst 27 Jahre lang regiert hat, eine ähnliche Vorliebe zu Springbrunnen und weißen Gebäuden hatte wie sein turkmenischer Kollege Gurbanguly. Bloß nicht so protzig und einsam. Anders als Samarkand und Bukhara wartet Tashkent nicht mit einer Medrese nach der anderen auf, besticht aber durch seine vielen Parkanlagen. Von oben - wir sind auf dem Fernsehturm - sehen wir besonders gut, wie grün die Stadt ist. 


Unterwegs treffen wir Tiger und Hoffnung (ihre usbekischen Namen können wir uns leider nicht merken, die Übersetzung ins Deutsche bleibt dafür umso besser haften), zwei junge Usbeken, die zum Studieren nach Deutschland wollen. Die Frage der Fragen lässt nicht lange auf sich warten: Kann man in Deutschland viel Geld verdienen? Wir stellen wieder einmal fest, dass junge Leute oft ein sehr verklärtes Bild von Deutschland und Europa haben. Das einzige, was zählt, ist, dass wir mehr Geld verdienen. Dass Miete, Lebenshaltungskosten etc. dafür deutlich teurer sind als etwa in Usbekistan, wird oft ausgeblendet. Wir versprechen Tiger und Hoffnung, dass wir ihnen gerne helfen, sobald es soweit ist und tauschen Handynummern aus. Wir drücken beide Daumen. 


Höhepunkt eines Besuches in Tashkent sei der Chorsu Basar, lesen wir. Jenny möchte zwei von Hand bestickte Kissenbezüge kaufen. Also hin da. Mit dem klaren Ziel vor Augen kommt Alex mit zwei Verkäufern ins Gespräch und versucht zu erklären, was wir suchen. Schneller als wir gucken können, stehen gefühlt zwanzig usbekische Schränke um uns herum. Jeder will uns seinen Kram andrehen. Alles Plastikscheiße aus China. Also werden wir von Shop zu Shop geführt, immer in Begleitung unserer neuen Bodyguards. Das Ganze gipfelt im Besuch eines Kellers, das dazugehörige Haus wird gerade abgerissen. Jenny fühlt sich unwohl, Alex amüsiert sich. Um die Truppe loszuwerden, spielen wir Good Cop, Bad Cop: Wird uns etwas gezeigt, tut Alex interessiert, Jenny lehnt grundsätzlich ab. Es klappt - nach mehreren Versuchen. 


Fix und fertig werden wir ganz ohne Hilfe in einem kleinen Shop fündig. Alex philosophiert darüber, was Touristen eigentlich an diesen Basaren - aufgehangenen Fleischbrocken und aufgereihten Eiern - so faszinierend finden. Er möchte lieber wieder in den Supermarkt. Wie er so darüber sinniert, winkt ihn ein lächelnder Opi an seinen Stand und dreht ihm erfolgreich eine Handvoll Schaschlikgewürz an. Fazit: Jenny ist für den Basar zu ängstlich, Alex zu nett.


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