Wodka, Wein und Bibi

Bukhara/Samarkand. Anders als Xiva sind Bukhara und Samarkand mehr oder weniger moderne Großstädte. Das muss man wissen, um nicht enttäuscht zu sein. Die islamischen Bauwerke sind nicht weniger schön, wirken aber wie Ufos. Romantisches Oasenfeeling kommt bei uns nicht mehr so recht auf. 


In beiden Städten werden wir als Touristen auf einem neuen Boulevard von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit geführt, links und rechts Shops mit Keramik, Teppichen und Tüchern. Dahinter, häufig hinter einem Grünstreifen oder einer Mauer, fängt das wahre Leben an. Immer wieder suchen wir auch diese Wege. Und werden herzlich willkommen geheißen. 


In Bukhara ist es vor allem sehr, sehr heiß. Daran müssen wir uns immer noch gewöhnen. Alles über 35 Grad ist unerträglich. Wir finden heraus, dass die Ark-Festung nicht einen Som Eintritt wert ist. Nach der erwarteten Aussicht sucht man vergebens. Außer man besticht einen Polizisten, der in Kooperation mit dem Klomann ein Schattenbusiness betreibt und eine rostige Tür aufschließt. Wir sind nicht in Bestecher-Laune.


Und wir finden heraus, dass das Chor-Minor auf dem Titelbild des Lonely Planet Central Asia ein Werk von Photoshop-Philip ist. Trotzdem schön, so abseits vom Trubel, in den engen, staubigen Gassen. Mit einem kühlen Pils von der Nachbarsfrau schauen wir zu, wie sich die Abendsonne über die vier türkisfarbenen Kuppeln senkt. Nebenan spielen an die zwanzig Kinder Fußball. Ein lächelndes Mädchen kommt aus einer Hoftür, schenkt uns einen heißen Schmalzkuchen, verschwindet wieder.


Zum Abendessen kocht unsere Gastmutti aus dem Hotel für uns. Es gibt köstliche Hochzeitssuppe, frischen Auberginensalat, ein schmackhaftes Rind-Zwiebel-Pommes-Geschnetzeltes, Eis zum Nachtisch. Dazu Tee. Für insgesamt acht Dollar. Unglaublich. Lecker. 


Samarkand begrüßt uns mit einer kühlen Brise. Eine Wohltat. Darauf den ersten Wodka unserer Reise: Einmal pur, einmal als Kirschlikörchen. Unser Hotel liegt im sehr charmanten russischen Viertel. So auch das Restaurant, in dem man uns den Wodka als Aufmerksamkeit des Hauses serviert. 


Überhaupt will man uns in dieser Stadt abfüllen. Nach dem Frühstück klopft es und in der Tür steht der Hotelchef, in der Hand zwei Gläser und eine Flasche Rotwein. Aufmerksamkeit des Hauses. Es ist 9:30 Uhr. Wir lehnen dankend ab. Abends gesteht er uns, dass der Wein unsere Bewertung auf booking positiv beeinflussen soll. Gar nicht notwendig. 


Wenn wir gerade nicht abgefüllt werden, streunern wir durch die Stadt. Am besten gefallen uns das Timur-Mausoleum, das von innen so reich verziert ist, dass man blass vor Neid werden kann, der Friedhof, wo uns die Gesichter der Verstorbenen von ihren Grabsteinen anschauen, die Bibi-Khanum-Moschee, wo wir uns unauffällig an eine französische Tourigruppe ranzecken und Infos zum Bauwerk absaugen. 


Der Registan, Zentralasiens berühmtester Platz mit drei gigantischen Medresen, enttäuscht uns ein wenig. Zu Gunsten einer freien Sicht auf die Bauwerke wurde der Platz umgestaltet und hat längst nicht die gemütliche Atmosphäre, die wir von anderen Medresen kennen. Alex' Stadtentwicklerherz blutet. Wiedergutmachung finden wir in den Höfen selbst, wo wir eine Attraktion für eine Schulklasse sind und einem kleinen Privatreferat der Klassenbesten lauschen dürfen.


Großes Highlight abseits der Sehenswürdigkeiten: Wir gehen in einen Supermarkt. Gefühlt das erste Mal seit Deutschland. Bei der Shampoo-Auswahl unterstützt uns ein junger Usbeke in perfektem Englisch. An der Kasse werden unsere Artikel gescannt - absoluter Wahnsinn. Wir haben Glück und bekommen Rückgeld: 200 Som. Hätten wir 100 Som zurückbekommen, wäre es ein Bonbon gewesen. Es gibt keine 100 Som-Münzen oder -Scheine. 

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Kommentare: 1
  • #1

    BerniButterfisch (Mittwoch, 07 Juni 2017 12:57)

    Hallo, ihr zwei!
    Tolle Bilder dieser für uns so fremden orientalischen Welt.
    Aber das Wichtigste sind wohl die kulinarischen Entdeckungen. Guten Appetit weiterhin und eine unvergessliche Reise!
    Viele Grüße aus DEL