Von Stan zu Stan

Turkmenistan-Usbekistan. Eines muss man den Turkmenen lassen: Von Nachtzügen verstehen sie etwas. Für die rund 600 Kilometer von Ashgabat in das Provinzkaff Dashogus an der usbekischen Grenze brauchen wir zwar mehr als 14 Stunden, reisen aber sehr komfortabel. Musa - unser Vertrauensmann von Ayan Travel - hat vier Tickets besorgt, so dass wir ein Abteil für uns alleine haben. Bei Nachtfahrten ist das Gold wert. 


Die Strecke führt quer durch die Wüste Karakum, die noch viel wüstiger ist als die Wüsten, die wir im Iran gesehen haben. Wüste ist also nicht gleich Wüste. Traumhafter Sonnenuntergang, am nächsten Morgen traumhafter Sonnenaufgang, den Jenny verschläft. Unser Wagonbegleiter interessiert sich für unser Spiel, würfelt ein Full House und freut sich. Allerdings hat er etwas gegen unser Bier (eine Flasche), wir schließen unsere Abteiltür, stoßen an und würfeln einen Kniffel.


Dashogus ist eine wichtige Durchgangsstation, aber schon zehn Minuten nach Ankunft fragen wir uns, warum wir nicht direkt weiter nach Usbekistan gefahren sind. Die Parkanlagen sehen so aus, als seien sie seit 20 Jahren nicht mehr gegossen, die Wohnblocks seit Sowjetzeiten nicht mehr renoviert worden. Kunststück, wenn das ganze Staatsvermögen in die Hauptstadt fließt. Der Basar hat den Charme des Polenmarktes in Slubice. 


Wir streifen drei Stunden durch die Stadt auf der Suche nach einem Geldautomaten - vergebens. Wir müssen zum Flughafen, dort gebe es einen, sagt man uns in der fünften Bank. Mit unseren letzten Manats heizen wir hin, passieren die Sicherheitskontrolle, um dann festzustellen, dass der Automat leer ist. Die Wechselstube nebenan hat noch 121 Manat - sage und schreibe 35 Dollar. Zum Glück ist hier alles billig. 


Als wir denken, der Tag ist verschenkt, entdecken wir in einer ruhigen Wohnstraße das Teehaus Chaikhana. Es gibt den bisher besten Schaschlik unserer Reise! Saftiges, sehr lecker gewürztes und vor unserer Nase gegrilltes Hammelfleisch. Dazu Chai. Wir wollen nie wieder etwas anderes essen. 


Zurück im Hotel zieht es uns an die Bar, genau wie Batyr aus Ashgabat, mit dem wir picheln und philosophieren. Seine wichtigsten Ratschläge: "Germany is an independant country. Fuck off, Russia. Fuck off, USA!", "Wodka, Beer - No! Beer, Wodka - Ok!", "Watch your wife!", "Passaschok (einer geht noch)". Der Abend ist gerettet. 


Am nächsten Morgen gehts zur Grenze. Wir sind aufgeregt und haben Angst, bei der Kontrolle wegen irgendetwas im Knast zu landen. Im Ernst: Fotografiert man öffentliche Gebäude, drohen hohe Geldstrafen. Wir lesen, dass Kameras an der Grenze hin und wieder kontrolliert werden.


Wir wissen nicht, dass wir bestens gerüstet sind: Mit unserer Wunderlampe aus dem Iran und dem in Ashgabat gekauften traditionellen turkmenischen Hut brechen wir das Eis. Anders als die Leute vor uns, werden wir sehr lasch kontrolliert. Mit deutscher Gründlichkeit will Alex Lampe und Hut als Antiquitäten deklarieren, das Formular muss neu ausgefüllt werden. Lächelnde Grenzerinnen. Die letzten Ambitionen, uns ernsthaft zu kontrollieren, geben sie nach einem beherzten Griff in Jennys Rucksack auf: Borsti wehrt sich und grunzt zum Erschrecken der Beamtin. Nächstes Lächeln. Trotzdem zeigen wir fünfmal unseren Pass - sicher ist sicher. 


Nach einer kurzen Taxifahrt durch das No-Mans-Land zwischen Turkmenistan und Usbekistan begrüßen uns die Grenzer auf der anderen Seite. Wir fühlen uns sofort wohl. Kein Mullah, Iman oder Präsident mehr, der uns von irgendwoher mustert. Die Usbeken nehmen es aber auch sehr genau: Wir müssen alle Wertgegenstände deklarieren - Lampe und Hut erwähnen wir nun nicht mehr. Allein unsere Medikamententasche ist von Interesse. Ratzfatz sind wir durch. 


Die Oasenstadt Xiva ist nicht mehr weit.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jessi (Sonntag, 04 Juni 2017 20:23)

    Ach ja, Borsti <3

  • #2

    Toto (Samstag, 10 Juni 2017 15:26)

    Borsti?