Passport, please

Iran-Turkmenistan. Von Iran nach Turkmenistan gibt es keine Bahnverbindung. Mit dem Auto oder zu Fuß kann man nur in zwei Orten über die Grenze. Die meisten nehmen den Übergang bei Sarakhs in der Wüste, deswegen nehmen wir den anderen bei Bajgiran. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist da nichts, wir brauchen einen Fahrer. Unser Reiseführer empfiehlt einen Mann: Vali Ansari


Seit elf Jahren hat sich Vali dem Tourismus in Mashad verschrieben: Er bietet verschiedene Trekkingtouren in die Wüste, in die Berge oder zu Nomaden an. Und an die Grenze. Man kann auch im Haus seiner Familie übernachten. Diese spannt Vali übrigens voll ein - sei es als Fahrer, Köchin oder Tourbegleitung.


Wir treffen Vali zwei Tage vor der Fahrt in seinem Teppichladen. Wir erfahren Interessantes über die Teppiche der Nomaden im Iran, für den Abend lädt er uns zu sich nach Hause zum Essen ein. Es gibt mehrere sehr, sehr leckere persische Gerichte, deren Namen wir leider vergessen haben. 


Morgens um 04:50 Uhr steht Vali mit seinem Neffen Ali Reza vor unserem Hotel, gut gelaunt und redselig. Ali Reza fährt im Gegensatz zu seinen Landsleuten sehr bedächtig, so dass Jenny und Vali auf dem Highway eine Stunde Schlaf nachholen. Bei Quchan biegen wir auf eine kleine Straße in Richtung Grenze ab. Die kargen sandigen Berge werden immer grüner, bis wir an einem großen Feld voller Tulpen anhalten, die aussehen wie Mohnblumen. Stille, ein frischer Wind: Es ist wunderschön. Wieder unterwegs beobachten wir vorbeiziehende Nomaden mit ihren Schäfchen. Ansonsten ist es hier menschenleer. Uns begegnen kaum Autos. 


Aus dem Nichts taucht um kurz nach 8 Uhr die Grenze auf und thront auf einem Hügel. Wir verabschieden uns von Vali und seinem Neffen. Es war eine wirklich schöne und angenehme Fahrt. Die iranischen Grenzbeamten lächeln freundlich und fertigen uns in drei Minuten ab. Wir treten aus dem Grenzgebäude und freuen uns, dass uns die beiden Herren Khomeini und Khamenei nicht mehr mit ihren Augen verfolgen. Auf der anderen Seite wartet aber schon ein neues Gesicht auf uns: Gurbanguly Berdimuhamedow, der Präsident Turkmenistans, lächelt uns entgegen. Gurbanguly wird übrigens der einzige bleiben, der uns hier von sich aus anlächelt. 


Das Grenzgebäude mit der blendenden Marmorverkleidung gibt einen ersten Vorgeschmack auf Ashgabat. Es stehen unzählige junge Soldaten mit Crocodile-Dundee-Hüten rum. Was genau ihr Auftrag ist, erschließt sich uns nicht. Wir zeigen lieber mal unsere Pässe. Noch mal. Dann noch mal. Die für Turkmenistan fälligen zwölf Dollar Eintritt pro Nase bezahlen wir bei einer sehr müden Frau im farbenfrohen turkmenischen Gewand. Und noch mal die Pässe. In der Gepäckkontrolle interessieren sich die Grenzer vor allem für unsere in Mashad gekaufte Wunderlampe, reiben daran, nichts passiert. Die Pässe, bitte.


Eine halbe Stunde später stehen wir in Turkmenistan, Jenny reißt sich das Kopftuch runter und fühlt sich frei. Wir erwarten Taxis und Sammeltaxis am Ausgang, die uns die 35 Kilometer nach Ashgabat fahren. Kein einziges in Sicht. Stattdessen wartet ein klappriger Bus. Zwei Dollar bis nach Ashgabat. Klingt fair, los gehts. In der malerischen Bergkulisse tummeln sich Steinböcke mit ihren Jungen. Was wir nicht wissen: Wir befinden uns noch im No-Mans-Land und werden nach 20 Minuten Fahrt ein weiteres Mal an einer Grenzkontrolle mit übertriebenem Zaun kontrolliert. Der Bus fährt nicht weiter. Auf der anderen Seite des Zaunes: "Taxi, Mister?" Für 15 Dollar lassen wir uns nach Ashgabat kutschieren. Die Stadt glänzt in der Morgensonne. Wir staunen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Vanessa (Montag, 29 Mai 2017 10:43)

    Hi Jenny, hi Alex,
    ich aktualisiere jeden Morgen eure Seite in der Hoffnung auf einen neuen Bericht. Es hört sich alles so spannend an. Wir müssen dann mal darüber reden, ob ihr zu Hause den Blog nicht einfach über euren Alltag weiter führen wollt? Sonst vermisse ich das zu sehr.
    Habt noch ganz viel Spaß. Passt auf Euch auf. Und lächelt weiter!
    Vanessa