Mohnblume

Yazd. Wir sind in der Wüste, in der größten Lehmziegelstadt der Welt. Wir schlafen in einem traditionellen Haus. Weil es hier im Sommer bis zu 50 Grad heiß werden kann, baut man nach unten. Heißt: Wir gehen durch die Eingangstür und sofort ein Stockwerk tiefer. Im Herzen unseres Hauses gibt es einen offenen Innenhof mit einem Springbrunnen. Auf dem Dach steht ein für die Region typischer Windturm, der für frische Luft sorgen soll. Jenny gruselt sich ein bisschen in der kleinen Hobbithöhle. Bei jedem Windstoß klingt es, als ob ein Lkw über die Höhle fährt.


Yazd entschädigt. Zuerst verlassen wir uns auf Alex' geografisches Gespür. Und verlaufen uns. Die Gassen sind in keinem Stadtplan eingezeichnet. In einer besonders kleinen und dunklen Gasse treffen wir Pejman und Shaghayegh ("Mohnblume"). Ein Paar in unserem Alter, das - die Welt ist wirklich klein - in Bochum studieren und danach in Deutschland leben will. In den nächsten anderthalb Tagen werden sie zu Freunden. Mit ihrem klapprigen KIA cruisen wir durch Yazd und Umgebung und lassen keine Sehenswürdigkeit aus. Besonders eindrucksvoll finden wir die Lehmfestung in Saryazd und die zoroastrischen Schweigetürme


Peyman und Shaghayegh sprechen schon ganz gut Deutsch - wir bringen ihnen überlebenswichtige Wörter bei: Verkehrsüberwachungskamera, Schleichweg (davon kennt Pejman viele) und Sackgasse (davon gibt es viele). Außerdem erklären wir den Unterschied zwischen aufladen, einladen, beladen, hochladen, vorladen, zuladen, abladen, runterladen, entladen, überladen. Für Bochum sind sie gerüstet. Wir lernen dafür im Gegenzug das Wort in Farsi schlechthin: khub, das sich chob spricht. Khub passt immer - so wie also, so, ok oder ähm. 


Besonders gut kann man in Yazd auf den Dächern chillen - allerdings erst mit Sonnenuntergang. Bei Virgin Mojito peelt uns ein warmer, sandiger Wind das Gesicht. So stellen wir uns Wüste vor


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Kommentare: 1
  • #1

    Pejman (Mittwoch, 24 Mai 2017 23:05)

    Sehr schön