Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön

Zug. Zugfahren im Iran ist vom Prinzip nicht anders als in Deutschland. Wir steigen ein, fahren los, kommen an. Die Details machen den Unterschied. 


Ob in Teheran, Isfahan, Yazd oder Mashad: Meistens liegen die Bahnhöfe am Stadtrand und sind - wenn vorhanden - nicht an das Metronetz angeschlossen. Also Taxi und am besten die Tickets zwei bis drei Tage vorher in irgendeiner Travel Agency kaufen. 


Am Bahnhof selbst begrüßen uns keine Trinker. Alles ist sauber. Ungewohnt. Polizisten in grüner Uniform scannen am Eingang das Gepäck - wir dürfen jedes Mal so durch. Welcome to Iran. Dann zur Polizei in blauer Uniform: Passkontrolle. Alles wie am Flughafen - es fehlt nur der Duty-Free-Shop. Dafür überall die wachsamen Augen der Herren Khomeini und Khamenei. 


Eine halbe Stunde vor Abfahrt der Aufruf zum Boarding: Die Menge im Wartesaal springt auf, sammelt ihre 500 Koffer und Verpflegung für drei Wochen zusammen und bewegt sich in Richtung der ersten Ticketkontrolle. Am Gleis fällt auf, dass alle Züge ausschließlich Wagen der ersten Klasse führen - schön, wenn alle gleich sind. Selbst Mann und Frau: Es wird zusammen gesessen. Vorm Einsteigen die zweite Ticketkontrolle durch die Zugbegleiter. Pro Wagon gibt es einen. In den obligatorischen Liegeabteilen finden jeweils vier Personen Platz, wir haben Glück und sind bei zwei von drei Fahrten alleine. Kaum rollen wir, verteilt der Wagonbegleiter Wasser, Kekse, Saft und Tee. Dann die dritte Ticketkontrolle durch den Zugchef.


Wer im Iran Zug fährt, braucht Zeit. Haben wir. Und Würfel: Wir kniffeln. Wir können auch fernsehen oder die aktuelle Zeitung lesen. Meist beobachten wir die vorbeiziehende Landschaft, die zum größten Teil aus Geröll- und Sandwüste und kahlen Bergen besteht, immer mal wieder unterbrochen durch eine kleine Oasenstadt. Trotzdem total spannend. Alternativ geht man in den Speisewagen. Der "Koch" ist redselig und findet unser Zeigebuch ganz großartig. So erfahren wir, dass deutsche Autos very good und Bohrmaschinen von Bosch der Hammer sind. Mit Waffen aus Deutschland könne man eine iranische Gazelle auf einen Kilometer Entfernung abknallen. Gut zu wissen. 


Irgendwann hält der Zug im Nirgendwo. Alle steigen aus. Wir finden bald heraus, dass alle beten gehen. Eigens dafür stehen hier Baucontainer mit Gebets- und Waschräumen. Wir beten nicht, stehen lieber im warmen Wüstenwind rum. 


Zweimal fahren wir über Nacht. Wir werden mit frischem Bettzeug versorgt und machen es uns gemütlich. Das Schunkeln des Zuges wiegt uns in den Schlaf.

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Kommentare: 1
  • #1

    Moni (Samstag, 27 Mai 2017 15:28)

    Mensch, hört sich das alles spannend und aufregend an. Wir freuen uns sehr, dass es Euch so offensichtlich gut geht. Bitte schreibt weiter und habt eine tolle Zeit. LG Moni und Ralf