Ein Traum aus 1001 Touristen

Isfahan. Nach acht Stunden nächtlicher Zugfahrt durch Sand- und Geröllwüste sind wir da. Die Stadt liegt auf 1.500 Metern Höhe, ein Fluss schlängelt sich hindurch. Daher sollen laut Reiseführer die 35 Grad angenehm sein - naja. Tatsächlich ist Isfahan eine Wohltat für Lunge, Ohren und Augen. In Teheran schmeckten wir die Abgase schon auf der Zunge, hier ist alles frisch und saftig grün. Oase halt. Das Gehupe ist weniger geworden, verschwinden wird es wohl bis Bochum nicht mehr. Die Architektur der Stadt ist eine Augenweide. 


Besonders der Imam-Khomeini-Platz und die große Moschee sehen atemberaubend aus. Mit unseren Moscheen im Gewerbegebiet hat das nichts zu tun. Die meisterhaften Mosaike, die Offenheit und Akustik der Bauwerke, die angenehme Kühle unter den gewaltigen Kuppeln beeindrucken uns. 


Tagsüber werden wir auf dem Imam-Khomeini-Platz vor der Moschee, übrigens nach dem Tian'anmen-Platz in Peking der zweitgrößte Platz der Welt, so dermaßen geblendet, dass drei Sonnenbrillen übereinander hilfreich wären. Wenn Moschee und Platz aber vom warmen Licht der Abendsonne angeleuchtet werden, können wir uns nicht satt sehen - ganz ohne Sonnenbrille. 


Genauso wie Teheran ist Isfahan wie ein großer Basar organisiert. In den Straßen A, B und C findet man Babymoden, in den Straßen D, E und F Kronleuchter. In unserer Straße herrschen die Bürostuhlverkäufer. Bei der Suche nach einem Restaurant oder einer Wechselstube sollte man das dringend beachten. Gelingt uns nicht immer. 


Touristisch ist die Stadt im Vergleich zu Teheran 1a erschlossen. Auch in Isfahan werden immer wieder gefragt, wo wir herkämen. Welcome to Iran wird zu Welcome to Esfahan. Ashkan laufen wir gleich zweimal über den Weg. Er erzählt uns von seinem English-Project. Im Endeffekt landen wir beim Tee im Teppichladen seines Vertrauens. Wir machen direkt die Fronten klar: Einen echten Perserteppich können wir uns nicht leisten und außerdem sind wir Backpacker. Trotzdem unterhalten wir uns mit dem Teppichhändler nett über Ali Daei und Werder Bremen und erfahren eine Menge über die lange Tradition der Perserteppiche. 


Ashkan ist nicht der einzige, der uns mit dem Argument des Sprachenlernens irgendwo hinlocken will. Jenny ist irgendwann genervt. Touristische Erschlossenheit ist Fluch und Segen zugleich. Morgen geht es in die Wüste. 


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Kommentare: 1
  • #1

    Gerlind (Donnerstag, 18 Mai 2017 20:47)

    Hallo ihr zwei, habe mir heute wieder die Zeit genommen und weiter gelesen - Fazit: Kontaktscheu seid ihr in keinem Fall! :-) Immer wieder schön zu lesen, wen und was man alles so sieht und kennenlernt. Wünsche euch (uns) weiterhin eine gute Reise.
    Jenny - die Klamotten stehen dir!