Welcome to Iran

Teheran. Uns fehlen die Worte. Überall liest man von der Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit der Iraner. Nicht, dass wir es für Geschwätz gehalten hätten, aber man kennt das, man neigt bei Urlaubserinnerungen zu kleinen, aber feinen Übertreibungen. Es ist der Wahnsinn. 


Vom Flughafen Teheran bis in die Stadt ist es etwa eine Stunde Autofahrt. Unser Reiseführer empfiehlt ausdrücklich, ein offizielles Taxi zu nehmen. Wir nehmen ein inoffizielles. Die beste Entscheidung. Unser Fahrer ist der König der Straße, drängelt sich rechts und links an allen anderen vorbei, informiert uns über den Iran und Teheran, besorgt uns zwei Flaschen Wasser am Kiosk, hält vor dem Imam-Khomeini-Mausoleum, damit wir ein Foto machen können, fährt hektisch auf den Standstreifen, um mit uns auszusteigen und Toot (White Mulberry) zu pflücken, hält am Straßenrand und kauft uns eine Tüte Edel-Pflaumen mit Salz zum Dippen, stoppt bei einem Typen mit Bauchladen und macht uns drei Limos zu Ehren von Hussein klar, zeigt uns die besten Wechselstuben und setzt uns sicher vor der Tür unseres Hotels ab. Welcome to Iran. 


Heute entdecken wir Teheran zu Fuß. Es ist heiß, es ist laut, es ist voll, es ist aufregend. Jenny zuppelt immer wieder an ihrem Tuch rum. Es ist ungewohnt - und heiß. Erste Station: Wechselstube. Der Tipp unseres Fahrers zahlt sich aus, wir kriegen einen super Kurs. Zweite Station: Klamottenladen. Jenny will ihren Kartoffelsack durch etwas schickere Teheraner Mode ersetzen. Sie wird fündig. Alex auch und kauft sich ein vermeintlich authentisches Wüstengewand, das später bei Nikoo und Mehdi noch für einen Lacher sorgen wird. Die junge, sehr nette Verkäuferin möchte auch nach Deutschland, weil sie denkt, dass das Leben dort einfacher sei. Welcome to Iran. 


Wir lassen uns treiben. 90 Prozent der Menschen beachten uns nicht, zehn Prozent lächeln uns neugierig an, manchmal ein vorsichtiges "Hello". Farid gibt uns im Vorbeigehen die Hand und erzählt, er habe einen deutschen Freund namens Hans. Welcome to Iran. Zufällig finden wir das meublement Café, in dem junge Teheraner bei europäischer Musik und Mojito (natürlich alkoholfrei) plaudern. Eine Seltenheit, da es im Grunde keine Café-Kultur gibt. Der junge Inhaber freut sich verwundert über seine deutschen Gäste und wir versprechen ihm, Werbung zu machen. Welcome to Iran.


Besonders redselig sind die Teheraner in der U-Bahn. Hier werden wir gefragt, ob wir aus West- oder Ostdeutschland seien, wie wir Hitler und Miroslav Klose fänden, ob wir uns eher einen Benz oder Porsche kaufen würden. Fragen über Fragen. Neben den Fragen, die wir geduldig und belustigt beantworten, treffen wir auf viel Hilfsbereitschaft. Kaum hat man einen Stadtplan in der Hand, wird Hilfe angeboten. So lernen wir Mehdi und seine Frau Nikoo kennen, bei denen wir zwanzig Minuten später auf dem Sofa sitzen, plauschen, Pistazien essen und Tee trinken. Morgen sind wir mit Nikoo für einen Ausflug zum großen Bazar verabredet. Welcome to Iran. 


Uns bleibt kaum Luft zum Durchatmen. Gerade wollen wir in der Hotellobby den Blogeintrag schreiben, setzen sich zwei junge Iranerinnen zu uns, die mit uns quatschen wollen. Zwei Stunden später sind wir auf Facebook befreundet und um eine spannende Begegnung reicher. Welcome to Iran. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Jessi (Sonntag, 14 Mai 2017 06:13)

    Das klingt großartig! Weiterhin eine tolle Zeit im Iran. Danke, dass ihr uns daran teilhaben lasst <3

  • #2

    Jule (Montag, 15 Mai 2017 11:03)

    das klingt wirklich toll. Ich kann Jessi nur beipflichten. Danke für die Berichte!

  • #3

    Toto (Montag, 15 Mai 2017 13:12)

    Herrlich! Schön das Ihr gut angekommen seid und direkt so positive Erfahrungen machen konntet. Ich hoffe diese Gastfreundschaft und Herzlichkeit begleitet Euch auch auf der weiteren Reise!