Branko und die arabischen Investoren

Belgrad. Fängt auch mit B an, ist aber ganz anders als Budapest. Touristen sieht man am Bahnhof keine, dafür Menschen, die in Zelten und Baracken hausen. Der Hilferuf "Please help us" bleibt uns nicht nur wegen der roten Farbe in Erinnerung. 


Der erste Eindruck: Belgrad ist abgerockt, unsortiert, wild. Wir fühlen uns nicht mehr in Europa und stehen orientierungslos herum. Prompt spricht uns ein junger Typ an, geht mit uns ein Stück und erklärt uns den Weg. Ob wir schon Pläne hätten, will er wissen. Haben wir natürlich nicht, er lädt uns zu einem Craft-Beer-Festival unter Brankos Bridge ein. Beschwingt von dieser netten Begegnung finden wir unsere Unterkunft schnell und treffen dort Nevena, die uns noch sehr helfen wird. Dazu später mehr. 


Nach ausgiebigem Cevapcici-Gelage machen wir uns auf die Suche nach dem Festival. Brankos Bridge befindet sich im Hafenviertel. Wir sehen Spelunken, kaputte Häuser, kaputte Straßen - aber irgendwie hat es trotzdem Charme. Vom Craft-Beer-Festival leider keine Spur. Macht nichts. Wir entdecken auf der anderen Seite der Brücke alte aufgemotzte Speicher à la Hafencity Hamburg. Wir finden es relativ schnöselig, versuchen es dann aber trotzdem auf ein Bier. "Begrüßung" an der Tür: "Sorry, we have no place". High Heels stechen Funktionsjacken. 


Alex in seiner Leidenschaft als Stadtplaner beschäftigt sich daraufhin ausgiebig mit diesem Stadtteil und findet heraus, dass das gesamte Hafenareal von arabischen Investoren plattgemacht und zum Schicki-Micki-Einkaufs- und Businesszentrum "Waterfront" entwickelt werden soll. Natürlich ohne einen einzigen Bürger zu fragen. Mehr noch: In einer Nacht- und Nebelaktion haben kürzlich Maskierte mit Bulldozern einen Teil der Häuser abgerissen. Mit StadtRaumKonzept wäre das nicht passiert. 


Belgrad ist für uns schwer greifbar, in sich sehr widersprüchlich, aber dadurch extrem spannend. Wie passen 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und ein Glamour-Ausgeh-Verhalten (hier sind sie wieder, die High Heels) zusammen? Einen Erklärungsversuch bietet dieser Artikel


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